Schnee und Frost im April in diesem Ausmaß selten

19. April 2017, 12:16
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Derzeitige Schneemenge in tieferen Lagen laut ZAMG alle zehn bis 15 Jahre – Schneefall noch bis Donnerstag, später Frost für Obstbäume ein Problem

Wien – Auch wenn Schnee und Frost besonders im Berg- und Hügelland in Österreich in der zweiten Aprilhälfte immer wieder vorkommen, sind die aktuellen Schneemengen selbst in den Alpentälern nur etwa alle zehn bis 15 Jahre zu erwarten, berichtete die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) am Mittwoch. Sie wies darauf hin, dass späte Kaltlufteinbrüche seit den 2000er-Jahren seltener wurden.

Der aktuell späte Wintereinbruch hat wie erwartet in vielen Regionen Österreichs Schnee gebracht. Eine Schneehöhe von 32 Zentimeter wurde Mittwochfrüh in Tannheim in Tirol registriert, davon waren 22 Zentimeter Neuschnee der vergangenen 24 Stunden. In der Gemeinde Warth in Vorarlberg gab es 80 Zentimeter, davon 35 Neuschnee. Auch im Osten liegt der unerwartete Schnee, so wurden 21 Zentimeter in Lunz am See in Niederösterreich gemessen.

Schnee bis Donnerstag

Bis Donnerstag kann es noch in vielen Regionen weiter schneien, am längsten und stärksten an der Nordseite der Alpen, vom Tiroler Unterland bis zum Semmering-Wechsel-Gebiet. Zum Abend hin lässt der Schneefall dann überall deutlich nach. In der Nacht auf Freitag wird es im Großteil Österreichs zumindest leicht frostig, prognostizierte die ZAMG. In schneebedeckten Tälern sind am Freitag in der Früh Temperaturen zwischen minus sieben und minus zwölf Grad zu erwarten.

"Bis etwa zum Jahr 2000 gab es eine Schneedecke und Frost in vielen Tälern statistisch gesehen alle zwei bis fünf Jahre", stellte ZAMG-Klimatologe Alexander Orlik fest. Dass etwa Innsbruck in der zweiten Aprilhälfte weiß war, gab es das letzte Mal am 21. April 2001, also vor 16 Jahren. In den Jahrzehnten davor, kam das aber durchschnittlich alle fünf Jahre vor. "So große Schneemengen wie heuer sind aber auch in den Alpentälern ungewöhnlich", sagte der Klimatologe. In Wien schneite es in der zweiten Aprilhälfte zuletzt im Jahr 1997. Da kam der Schneefall in diesem Jahr fast "pünktlich": "Wertet man für Wien die Klimadaten der letzten Jahrzehnte aus, kommt Schneefall in der zweiten Aprilhälfte durchschnittlich alle 20 Jahre vor", so Orlik.

Frost kommt im langfristigen Vergleich über die letzten Jahrzehnte in Gebieten oberhalb von 800 Meter Seehöhe fast jedes Jahr auch noch in der zweiten Aprilhälfte vor. In den kommenden Nächten sind laut ZAMG allerdings besonders in schneebedeckten Tälern vereinzelt Temperaturen möglich, die für die zweite Aprilhälfte im Bereich der Rekorde liegen.

Negativ für Landwirtschaft

Das hat negative Folgen für die Landwirtschaft. Besonders Obstbäume sind durch Kaltlufteinbrüche mittlerweile stärker betroffen als früher, sagte ZAMG-Phänologe Helfried Scheifinger. "Viele Pflanzen beginnen durch die immer wärmeren Frühlingsmonate früher auszutreiben und zu blühen. Daher reagieren sie auf Kaltlufteinbrüche, wie im Vorjahr und heuer, deutlich empfindlicher. Zum Beispiel ist die Blüte von Marille, Apfel und Kirsche mittlerweile um durchschnittlich zehn Tage früher als noch vor 20 Jahren."

Nachdem Spätfrost ein relativ seltenes Phänomen ist, stehen kaum Daten für weiterführende Untersuchungen zur Verfügung, stellte Scheifinger fest. "Wer sich auf der Website phenowatch.at anmeldet und Bilder hochlädt, unterstützt daher die Wissenschaft, zum Beispiel die Klimafolgenforschung. Interessant sind Fotos zu Spätfrostschäden an Pflanzen und Pflanzenteilen und auch zu Aktivitäten, die Spätfrostschäden verhindern sollen, wie etwa das Räuchern oder das Besprühen mit Wasser."

Lawinengefahr in Tirol

In Tirol sprechen die Experten des Lawinenwarndiensts von einer kritischen Lawinensituation in den Tourengebieten. Sie stuften die Gefahr oberhalb von etwa 2.000 Metern verbreitet mit "erheblich", also der Stufe 3 der fünfteiligen Skala, ein.

Die Hauptgefahr gehe dabei von frischen, aber auch älteren Triebschneeansammlungen aus, die sich noch nicht ausreichend verfestigen konnten. Eine Lawinenauslösung sei zumeist schon bei geringer Zusatzbelastung möglich, also schon durch das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers.

Gefahrenstellen liegen vor allem in steilen, schattseitigen Hängen sowie Kammlagen aller Expositionen. Anzahl und Verbreitung der Gefahrenstellen nehmen dabei mit der Seehöhe zu, so die Experten. Aus steilen Einzugsgebieten sei zudem auf einzelne Selbstauslösungen oberflächlicher Lockerschneelawinen zu achten.

Electric Spring verkleinert

Auch das zweitägige Electric-Spring-Festival läutet am Donnerstag und Freitag doch nicht die Outdoor-Saison ein. Auf Bühnen im Hof des Wiener Museumsquartiers wird angesichts der Wetterprognosen verzichtet, sämtliche Konzerte finden in der Halle E statt, teilte das MQ am Mittwoch mit. (APA, 19.4.2017)

  • Drinnen ist es derzeit behaglicher. Wer trotzdem rausgeht, sollte sich vor allem der steigenden Lawinengefahr bewusst sein.
    foto: ap martin meissner

    Drinnen ist es derzeit behaglicher. Wer trotzdem rausgeht, sollte sich vor allem der steigenden Lawinengefahr bewusst sein.

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