Präsidentschaftskandidatin kritisiert antisemitische Rhetorik im Iran

19. April 2017, 08:39
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Äußerungen "könnten antisemitischen Eindruck erwecken" – Taleghani dürfte vom Wächterrat abgelehnt werden

Teheran – Die iranische Präsidentschaftskandidatin Azam Taleghani hat die antisemitische Rhetorik einiger Politiker im Iran kritisiert. "Wir sollten unterscheiden zwischen Kritik an der zionistischen (israelischen) Regierung und Beleidigung der Juden", sagte Taleghani in Teheran.

Einige Äußerungen im Land könnten einen antisemitischen Eindruck erwecken. Dies sei ihrer Meinung nach sehr bedauerlich und führe zu einem Image-Schaden für das Land.

Auch die Leugnung des Holocaust, wie sie der sich nun wieder bewerbende Ex-Präsident Mahmoud Ahmadinejad vorgenommen hatte, erfolgt ihrer Meinung nach aufgrund historischer Unkenntnis. "Ich habe selbst das Konzentrationslager Auschwitz besucht und habe dort begriffen, was für ein Verbrechen und was für eine humanitäre Tragödie damals passiert ist", sagte die 72-Jährige.

Vom Wächterrat abgelehnt

Taleghani ist die politische bedeutendste der 137 Frauen, die sich für die Präsidentenwahl am 19. Mai registriert haben. Sie hatte sich schon zweimal vorher beworben und war in beiden Fällen vom zuständigen Gremium, dem Wächterrat, ohne Grund abgelehnt worden. Ihr und allen anderen Frauen droht laut Beobachtern auch heuer das gleiche Schicksal.

"Frauen bilden 50 Prozent der iranischen Bevölkerung und daher hat das Land zumindest eine Präsidentschaftskandidatin verdient", sagte Taleghani. Sie wolle sich aber von den Ablehnungen "nicht kleinkriegen lassen" und werde weiterhin für das Recht der Frauen kämpfen. (APA, 19.4.2017)

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