Barcelona vs. Juventus: Barça und der Belugakaviar

19. April 2017, 10:29
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Dem FC Barcelona droht der Abschied aus der Champions League. Juventus Turin ist nämlich nicht Paris Saint-Germain und sollte das Guthaben von 3:0 verteidigen. Borussia Dortmund versucht derweil in Monaco den nächsten Spagat

Barcelona/Monaco – Luis Enrique beschwört die nächste "Remuntada", doch so restlos überzeugt von einer erneuten Aufholjagd mit Happy End ist der Trainer des FC Barcelona nicht. "Wir sind eine Gruppe von Gewinnern und Champions, die zu allem fähig ist", sagt Enrique: "Die Sache aber ist die: Wir sind es gewohnt, immer Belugakaviar zu essen. Das kann nicht ewig so sein."

Die Katalanen laufen im Viertelfinalrückspiel der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr, ORF 1 und im Ticker auf derStandard.at) gegen Juventus Turin einem 0:3 hinterher. Vor sechs Wochen feierte Barça im Achtelfinale gegen Paris eine wundersame 6:1-Auferstehung nach einem 0:4 im Hinspiel. Doch Juve ist nicht PSG. "Paris Saint-Germain hat im Camp Nou sechs Tore kassiert, weil es nicht mit der richtigen Einstellung dort angetreten ist", sagte Turins Offensivstar Paulo Dybala. "Und gerade aus dieser Partie haben wir einiges gelernt." Die überforderten Pariser haben sich von der Atmosphäre und dem Sturmlauf der Spanier einschüchtern lassen. Das dürfte den taktisch cleveren und international erfahrenen Juve-Spielern vermutlich nicht passieren.

Verunsicherte Barça-Defensive

Italiens Rekordmeister reiste zudem mit dem Selbstvertrauen des souveränen Tabellenführers der Serie A an, während die Katalanen beim mühsamen 3:2 in der Generalprobe gegen San Sebastian in der Defensive große Schwächen offenbarten. Abwehrchef Gerard Piqué: "Die Verteidigung ist unsicher, wir haben kaum Selbstvertrauen. Die Situation ist schwierig." Einzig dem Doppeltorschützen Lionel Messi war es zu verdanken, dass Real Madrid nicht schon vor dem Clásico am Sonntag in der Tabelle hoffnungslos enteilt ist. Für Neymar dennoch kein Grund, mit Demut ins K.-o.-Duell zu gehen: "Wenn alles klappt, werden wir eine erneute Aufholjagd erleben."

Laut spanischen Medien hat Enrique folgenden Plan ausgeheckt: Frühes Attackieren und schnelle Balleroberung beim Spielaufbau des Gegners, um Juve möglichst ungeordnet zu erwischen. Möglicherweise ändert der Trainer auch das taktische System, um Ausnahmekönner Messi mehr Freiheiten zu gewähren. "Wir werden so viel Risiko wie nötig gehen, am Ende vielleicht auch mit acht Stürmern, wenn wir nichts mehr zu verlieren haben", sagt Enrique.

Dortmund und eine leise Hoffnung

Borussia Dortmund will allen Widrigkeiten trotzen und sich eine Woche nach dem Sprengstoffanschlag auf den Teambus den Traum vom Halbfinale doch noch erfüllen. "Wir sind keine Träumer. Wir wissen, dass die Chance nicht sehr groß ist, aber es ist eine da", sagt Klubchef Hans-Joachim Watzke. "Die Mannschaft hat fast Übermenschliches geleistet. Daraus wird sie Kraft ziehen."

Der AS Monaco hatte in Dortmund 3:2 gewonnen. Der Verein hat den Profis professionelle Hilfe durch Psychologen angeboten, die Aufarbeitung ist mühsam. Bei der Rückkehr in die Normalität ist laut Trainer Thomas Tuchel weiterhin Geduld gefragt. "Wir legen da alle einen Spagat hin." "Ich kann keine Nacht durchschlafen, schrecke auf. Wenn ich aufwache, bin ich froh, dass ich daheim im Bett liege", sagt Torhüter Roman Bürki. "Trotzdem können wir in Monaco gewinnen. Es spricht nichts dagegen." (sid, red, 18.4.2017)

  • Im Hinspiel ist Barcelonas Andres Iniesta oft gefallen, im konkreten Fall war Juves Miralem Pjanic der Täter.
    foto: apa/afp/giuseppe cacace

    Im Hinspiel ist Barcelonas Andres Iniesta oft gefallen, im konkreten Fall war Juves Miralem Pjanic der Täter.

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