Afrika – einen Kontinent unter Strom setzen

Kommentar der anderen18. April 2017, 17:35
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Rund 600 Millionen Afrikaner haben noch keinen regelmäßigen Zugang zu elektrischer Energie. Für die Entwicklung des Kontinents ist es unerlässlich, dass die afrikanischen Staaten diesen herstellen. Mit erneuerbaren Energien kann das gut gelingen

Afrika hat eine große Zukunft vor sich. Wenn die Volkswirtschaften des Kontinents weiterhin ihre Dienstleistungs- und Produktionssektoren ankurbeln, Bergbau fördern und die Erträge der Landwirtschaft und Leichtindustrie erhöhen, wird dies der Produktivität und dem Wachstum zugutekommen.

Aber der Erfolg der afrikanischen Staaten setzt eine nachhaltige Erzeugung und Verteilung von Energie voraus, um mit der steigenden Nachfrage Schritt zu halten. In den nächsten 35 Jahren wird die afrikanische Bevölkerung weiterwachsen. Wahrscheinlich werden 800 Millionen Menschen in die Städte ziehen. Und bereits heute sind die Afrikaner überproportional von den Nachteilen des Klimawandels betroffen, obwohl sie selbst nur weniger als vier Prozent der weltweiten Treibhausgase emittieren.

Die Städte müssen die Umweltbelastungen verringern, indem sie kohlenstoffarme Energiesysteme, elektrische Massentransportmittel und Initiativen zur Energieeffizienz fördern – ebenso wie die Verwendung sauberer Brennstoffe zum Kochen. Und im ländlichen Raum können neue Möglichkeiten zur Verringerung der Landflucht geschaffen werden, beispielsweise durch die Verbesserung des Ausbaus und der Verfügbarkeit von Energiesystemen.

Aber selbst in diesem Fall wird das Ziel, genügend Energie für eine moderne, integrative Wirtschaft zu erzeugen, nicht leicht zu erfüllen sein. Bereits heute leidet Afrika immer wieder unter Stromausfällen, obwohl mehr als 600 Millionen Menschen gar nicht an das Stromnetz angeschlossen sind und die Nachfrage relativ gering ist.

Um die schädlichen Nebeneffekte des kohlenstoffintensiven Wirtschaftswachstums zu vermeiden, braucht Afrika eine "klimaintelligente" Energierevolution. Die afrikanischen Länder müssen eine klimaresistente Infrastruktur aufbauen und die ergiebigen Vorräte erneuerbarer Energien auf dem Kontinent anzapfen. Dadurch wird der Zugang zu Energie erleichtert, grüne Arbeitsplätze geschaffen, die Umweltbelastung reduziert. Und für bessere Versorgungssicherheit müssen die Energiequellen diversifiziert werden.

Hohe Investitionen

Gleichzeitig wird die afrikanische Energierevolution selbst unter den schlimmsten Folgen des Klimawandels leiden. Werden beispielsweise die Niederschläge unregelmäßiger, könnten die Erträge aus der Wasserkraft zurückgehen. Dieses Risiko kann vermindert werden, indem man Investitionspläne an starke Klimaschwankungen anpasst. Trotzdem wird im Umweltprogramm der Vereinten Nationen geschätzt, dass der Kontinent zur Anpassung an den Klimawandel bis 2020 jährliche Investitionen in der Höhe von sieben bis fünfzehn Milliarden US-Dollar benötigt – und bis 2050 fünfzig Milliarden jährlich.

Statt aber neue Klimagefahren als Hindernisse zu sehen, die bewältigt werden müssen, sollten wir sie als Möglichkeiten für Investitionen und Innovationen betrachten. Wir stehen an der Schwelle einer aufregenden neuen Zeit, in der wir den technischen Fortschritt dazu verwenden können, eine Vielzahl konventioneller und alternativer Energiequellen zu nutzen (was allerdings die Kernenergie ausschließt).

Diese Energiequellen können kombiniert werden, um den Alltagsbedarf optimal zu decken. Im Gegensatz zu früheren Jahrzehnten ist es nicht mehr nötig, sich auf eine einzige Energiequelle zu beschränken. Und da ein Großteil der afrikanischen Infrastruktur erst aufgebaut werden muss, haben die Regierungen die Chance, ihre Energie- und Infrastrukturpolitik bereits von Anfang an zu optimieren und damit maximale Renditen zu erzielen.

Beim Umbau des afrikanischen Energiesektors sind wichtige Schritte zu beachten: Zunächst muss die Beteiligung privater Investoren am Energiemarkt leichter, sicherer und finanziell attraktiver werden. Dies trägt dazu bei, Innovationen anzukurbeln und Kosten zu senken. Darüber hinaus sollten die afrikanischen Staaten die Möglichkeiten untersuchen, Infrastruktur miteinander zu teilen und grenzübergreifende Energiepools zu gründen.

Ein weiterer wichtiger Schritt besteht darin, in erneuerbare Energien zu investieren. Afrika verfügt über ein außergewöhnlich reichhaltiges Portfolio sauberer Energiequellen, darunter fast neun Terawatt an Solarkapazitäten, mehr als 350 Gigawatt an möglicher Wasserkraft und mehr als 100 Gigawatt an Windkraftpotenzial. Dies ist mehr als genug, um die zukünftige Nachfrage des Kontinents zu bedienen.

Gleichzeitig werden die erneuerbaren Energien günstiger und gegenüber fossilen wettbewerbsfähiger. Beispielsweise sind die Kosten für fotovoltaische Solarenergie in Afrika zwischen 2010 und 2014 um 50 Prozent gefallen, und dieser Trend hält weiterhin an. Und im Rahmen des südafrikanischen Beschaffungsprogramms der unabhängigen Produzenten erneuerbarer Energien sind Angebotspreise und Überzeichnungsraten deutlich gesunken.

Es gibt bereits heute netzunabhängige und dezentrale Stromverteilungssysteme, die die afrikanische Energielandschaft von Grund auf verwandeln. Sie bieten eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, Quellen sauberer Energie zu erschließen und den Stromzugang für die Armen zu verbessern, insbesondere in Gegenden, wo die Konsumenten verstreut wohnen.

Was aber wirklich nötig ist, ist eine großflächige Umgestaltung des Marktes, und dazu benötigt der Kontinent mehr Gelder von Exportkreditagenturen, Entwicklungsbanken, kommerziellen Finanzinstituten und anderen grenzüberschreitenden Quellen. Afrika hat die Chance, hunderte Millionen von Menschen, die bisher ohne Stromversorgung leben, in die moderne Wirtschaft zu integrieren. Wenn wir durch eine Mischung aus Strategien und Investitionen zur Vielfalt und Widerstandskraft der afrikanischen Energiewende beitragen, wird dies die Zukunft aller Menschen verbessern. Aus dem Englischen: H. Eckhoff. Copyright: Project Syndicate. (Carlos Lopes, Tony Elumelu, Aliko Dangote, 18.4.2017)

Carlos Lopes ist Professor an der Universität von Kapstadt. Tony Elumelu ist Vorsitzender von Heirs Holdings und der United Bank for Africa. Aliko Dangote ist Eigentümer der Dangote-Gruppe und Mitgründer der African Energy Leaders Group.

  • Südsudan, eine zerschossene Afrikalandkarte auf einer Schulmauer. Viele bewaffnete Konflikte entstehen wegen Überpopulation.
    foto: ap photo/justin lynch

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