Jungunternehmer suchen digitalen Anschluss

19. April 2017, 07:00
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Die neue Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft ortet großes Interesse am Beschäftigungsbonus, Unternehmen beklagen fehlende digitale Infrastruktur

Wien – Beschäftigungsbonus, Start-up-Paket, Digitalisierungsstrategie für Schulen: Die Regierung hat einige Akzente zur Stärkung des Standortes auf den Weg gebracht. Bei den heimischen Jungunternehmern kommt die frische Brise nach Jahren des Reformstillstands an. Sie sind im Großen und Ganzen optimistisch, für das eigene Unternehmen und für Österreichs Wirtschaft gesamt.

Das ergibt zumindest eine Umfrage der Jungen Wirtschaft (sie vertritt 120.000 Jungunternehmer) bei über 1000 heimischen Entrepreneuren. "Vor allem was die Digitalisierung betrifft, sind die Unternehmer nicht so skeptisch wie die Gesamtbevölkerung", sagt Amelie Groß im Gespräch mit dem STANDARD.

Nach den Start-ups kommt die Digitalisierung

Die Salzburger Unternehmerin (30) ist seit Jahresanfang Bundesvorsitzende der Jungen Wirtschaft. Mit der studierten Juristin und (seit 2012) Geschäftsführerin des Salzburger Familienbetriebs Inkasso Merkur GmbH übernahm damit erstmals eine Frau dieses Amt. Während Vorgänger Herbert Rohrmair-Lewis sich das Thema Start-ups auf die Fahnen heftete, setzt Groß auf Digitalisierung. Start-ups zu fördern war richtig, sagt sie. "Man darf aber nicht vergessen, dass nur etwa 1,5 bis drei Prozent der 30.000 Gründungen Start-ups sind." So manche Klein- und Mittelbetriebe hätten sich im Start-up-Hype wohl vergessen gefühlt. Der Beschäftigungsbonus hat laut Groß das Potenzial, das Manko etwas auszugleichen.

Digitale Infrastruktur

Was nun ihr Kernthema betrifft, so haben sich 51 Prozent der Befragten intensiv damit auseinandergesetzt. Mit 36 Prozent geht allerdings nur gut ein Drittel davon aus, dass die neuen technologischen Entwicklungen ihr Hauptgeschäftsfeld betreffen werden. Das könnte sich als Irrtum erweisen, sagt Groß. Ein Thema, das den Unternehmern Kopfzerbrechen bereitet, ist die digitale Infrastruktur. So positiv die Jungunternehmer ihre Chancen in der neuen digitalen Wirtschaft einschätzen, so wenig zufrieden sind sie mit der Breitbandanbindung. Aus gutem Grund, wie Groß findet: "In manchen Regionen ist schnelles Internet Mangelware."

Dass auch bei der dritten Ausschreibungsrunde des Leerverrohrungsprogramms aus der Breitbandmilliarde die Gemeinden das Fördervolumen nicht ganz ausgeschöpft haben, schreibt sie auch dem Umstand zu, "dass hier jedes Bundesland sein eigenes Süppchen kocht. Das ist zu wenig koordiniert". Insgesamt finden 60 Prozent der Befragten, dass es an den derzeitigen politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen hapert. Dringenden Handlungsbedarf orten sie etwa auch in Sachen IT-Aufrüstungen. 48 Prozent hielten hierfür steuerliche Anreize für angebracht. Ein Punkt, der ihr persönlich noch ganz wichtig ist: Bildung und damit das Bildungssystem. In manchen Branchen seien gute Mitarbeiter Mangelware.

Warten auf den Beschäftigungsbonus

Was die Flexibilisierung der Arbeitszeit betrifft, so hofft Groß "sehr, dass die Sozialpartner hier zu einer Lösung kommen." So richtig zuversichtlich klingt sie dabei allerdings nicht.

Für den ab 1. Juli heurigen Jahres geltenden Beschäftigungsbonus fordert die Bundesvorsitzende, dass der Zugang zu den Förderungen einfach sein müsse. Schon jetzt ist nach ihrer Einschätzung das Interesse groß: "Wir hören von zahlreichen Unternehmen, dass sie mit der Einstellung neuer Mitarbeiter jetzt noch zuwarten." (Regina Bruckner, 19.4.2017)

  • Amelie Groß will Firmen auf die Digitalisierung einschwören.
    foto: reuters/daniel munoz

    Amelie Groß will Firmen auf die Digitalisierung einschwören.

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