Erdmännchen sind beliebter, als ihnen guttut

19. April 2017, 09:00
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Besuchen besonders viele Menschen einen Zoo, reagieren die Tiere gestresst – in großen Gruppen fühlen sie sich aber sicherer

Exeter/Göttingen – Erdmännchen zählen zu den beliebtesten Zootieren überhaupt – durchaus zu ihrem Leidwesen: Wenn sich Besucher vor ihrem Gehege drängen, stresst das die kleinen Raubtiere nämlich beträchtlich, berichten deutsche und britische Forscher im Fachmagazin "Royal Society Open Science".

Die Wissenschafter von der Universität Exeter und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen untersuchten, unter welchen Bedingungen Erdmännchen (Suricata suricatta) besonders gestresst sind, und verglichen die Ergebnisse mit Beobachtungen bei frei lebenden Tieren. Dafür nahmen sie zehn Erdmännchengruppen unter die Lupe, die in acht verschiedenen Zoos in Großbritannien leben.

Die Forscher sammelten über mehrere Tage die Ausscheidungen und untersuchten diese auf eine Gruppe von Hormonen, die auf Stress rückschließen lassen. Katy Scott von der Uni Exeter und ihr Team hatten sich auf Erdmännchen spezialisiert, weil es zu bereits zahlreiche Untersuchungen bei frei lebenden Tieren gibt: ideale Vergleichswerte somit.

Die Ergebnisse

Die Stresshormonlevel waren den Forschern zufolge erhöht, wenn am Tag zuvor besonders viele Besucher beim Erdmännchengehege waren. Das wirkte sich insbesondere aus, wenn die Tiere in einer kleinen Gruppe lebten (die Gruppengrößen variierten je nach Zoo zwischen zwei und 17). Auch bei frei lebenden Tieren sei beim Stresslevel die Gruppengröße entscheidend, so die Autoren der Studie.

Erdmännchen leben in trockenen Regionen des südlichen Afrikas in Gruppen von bis zu fünfzig Tieren. Laut den früheren Studien sind frei lebende Tiere in sehr kleinen Gruppen gestresster, weil sie sich dann weniger gut vor Feinden geschützt fühlen – den gleichen Effekt lösen Zoobesucher aus.

Sicherheit durch hohe Zahl

In der Natur kann umgekehrt auch eine sehr große Gruppe die Stresslevel der Mitglieder erhöhen: vermutlich weil es dann eine stärkere Konkurrenz um Nahrungsmittel gibt. Dieser Faktor sei aber bei Zootieren, die nach Bedarf gefüttert werden, zu vernachlässigen, so die Wissenschafter um Scott. Auch andere Faktoren, die in der Wildnis eine Rolle spielen, wirkten sich in Gefangenschaft nicht aus. Weder Alter, Rang noch Geschlecht beeinflussten die Menge an den gemessenen Hormonen bei den Erdmännchen im Zoo.

Da die Besucherzahl schwer zu kontrollieren sei, empfehlen die Forscher daher, Erdmännchen nur in größeren Gruppen zu halten. Auch wenn im Zoo keine tatsächliche Bedrohung für die Tiere existiert, könnte eine große Gruppe den Erdmännchen ein Gefühl von Sicherheit geben, so die Forscher. Außerdem empfehlen die Wissenschafter größere Gehege oder bessere Verstecke und Rückzugsorte. (APA, red, 19. 4. 2017)

  • Ihre Neugier und ihr Spieltrieb – hier mit Ostereiern im Zoo von London – machen Erdmännchen bei Zoobesuchern extrem beliebt.
    foto: apa/afp/daniel leal-olivas

    Ihre Neugier und ihr Spieltrieb – hier mit Ostereiern im Zoo von London – machen Erdmännchen bei Zoobesuchern extrem beliebt.

  • Ständiges Beobachtetwerden stresst die Tiere allerdings.
    foto: apa/afp/daniel leal-olivas

    Ständiges Beobachtetwerden stresst die Tiere allerdings.

  • "Zusammen stehen wir das durch."
    foto: ap photo/michael probst

    "Zusammen stehen wir das durch."

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