Flugzeugtechnik: Drahtlos vernetzte Passagiere

23. April 2017, 18:51
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Daniel Neuhold entwickelt stabile Sensornetzwerke für Flugzeugkabinen

Klagenfurt – Drucksensoren erkennen, dass ein Passagier sitzt. Der Gurt meldet, wenn er angeschnallt ist. Anstelle des Bordpersonals prüft Sensorik, ob alle Schwimmwesten in den Fächern unter den Stühlen vorhanden sind: Neue Technologien sollen künftig Komfort und Sicherheit im Flugverkehr erhöhen und gleichzeitig Stewardessen und Stewards entlasten. Sie haben dann beispielsweise einen Monitor vor sich, der anzeigt, welcher nachlässige Passagier trotz entsprechenden Signals noch nicht angeschnallt ist.

Daniel Neuhold arbeitet an einem System, das die Vernetzung der Flugzeugkabinen in dieser Art möglich macht. Der Doktorand am Institut für Vernetzte und Eingebettete Systeme an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (AAU) entwickelt ein drahtloses Sensornetzwerk für den Einsatz in der Luftfahrt. Das System, das im Projekt "Rewise" gemeinsam mit Airbus und dem Forschungsunternehmen Lakeside Labs entsteht, soll auch wirtschaftliche Vorteile bringen: "Im Airbus A380, dem derzeit größten Verkehrsflugzeug, wiegt allein die Verkabelung etwa 25 Tonnen. Drahtlose Kommunikation kann das Gewicht drastisch reduzieren und ein ökonomischeres Fliegen ermöglichen", sagt Neuhold.

Um ein robustes und ausfallsicheres Netzwerk mit tausenden Sensorknoten in einer Flugzeugkabine zu etablieren, braucht es eine hochspezialisierte Funktechnologie. Sie muss ganz anderen Erfordernissen entsprechen als etwa ein Wlan-Netz, das Internetdaten überträgt. "Wlan oder Bluetooth-Verbindungen nutzen ein sehr schmales Frequenzband und können bei Überlagerungen entsprechend leicht gestört werden", sagt Neuhold. "Wir verwenden daher Ultra-Wideband (UWB), das einen viel breiteren Frequenzbereich abdeckt. Im Vergleich zu Bluetooth ist er sogar mehr als 500-mal breiter."

Störquellen aus der Umgebung oder auch absichtliche Störungen würden lediglich einen Teil des Frequenzbereiches betreffen. "Das führt dazu, dass ein signifikanter Teil des Signals unbeeinträchtigt bleibt und darüber hinaus durch eingebaute Redundanz wieder regenerierbar ist", erklärt der Informationstechniker.

Neben diesen Signaleigenschaften sorgen mehrere Empfänger dafür, dass die Datenpakete trotz der Signalreflexionen im metallischen Flugzeugrumpf und trotz Hindernissen wie stehenden Personen an ihr Ziel gelangen. Bewährt sich das Prinzip, könnte auch der Datentransfer der Unterhaltungssysteme über das drahtlose Netzwerk abgewickelt werden.

Neuhold, 1989 in Villach geboren und aufgewachsen, hat nach einer Informatik-HTL Informationstechnik an der AAU studiert. Hier habe er gelernt, jeden Aspekt der Informationsübertragung zu verstehen – von der Physik dahinter über die elektronische Umsetzung bis zur Verwendung in informatischen Systemen. Nächstes Jahr wird er seine Expertise im Bereich der UWB-Technologie in einem Auslandssemester an der University of Southern California (USC) in Los Angeles vertiefen.

Trotz der täglichen Beschäftigung mit neuen Technologien lebt Neuhold aber, wie er sagt, kein "klassisches Nerd-Leben". Einen Gegenpol findet er im Sport. "Zumindest sechsmal pro Woche wird für eineinhalb Stunden die Arbeit beim Laufen oder im Fitnessstudio beiseitegelegt." (Alois Pumhösel, 19.4.2017)

  • Informationstechniker Daniel Neuhold will mit Drahtlostechnik in Flugzeugen Gewicht sparen.
    foto: privat

    Informationstechniker Daniel Neuhold will mit Drahtlostechnik in Flugzeugen Gewicht sparen.

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