Feuer ist zum Löschen da

    23. April 2017, 07:46
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    Bei Brandschutz und -bekämpfung hat Wien eine außergewöhnliche Geschichte, die auch in einem historischen Fuhrpark dokumentiert wird

    Die mittelalterlichen Städte mit ihren engen Gassen und vielen offenen Feuern waren für Brandkatastrophen prädestiniert. Wien erließ deshalb 1534 eine Feuerlöschordnung, die die Zünfte verpflichtete, eigens geschulte Leute abzustellen. Den Durchbruch zur Berufsfeuerwehr verdankt Wien aber den Türken. Nein, es geht nicht um Erdogan, sondern bei der Türkenbelagerung 1683 galt es die Waffenkammer mit dem Pulver im Zeughaus am Hof vor einer Explosion zu schützen. Geschulte Handwerker verrichteten einen tollen Job, drei Jahre später wurden vier besoldete "Feuerknechte", ausgerüstet mit simplen Spritzen, zum Ursprung der Wiener Berufsfeuerwehr.

    Erste Betriebsfeuerwehr

    Das Jubiläumsjahr rund um 300 Jahre Maria Theresia streift auch das Thema Feuerwehr. 1759 erließ sie eine neue Feuerlöschordnung, Ergebnis war die Etablierung des Hofburglöschzuges, heute spräche man von einer Betriebsfeuerwehr. Dieser pferdebespannte Fuhrpark ist im Originalzustand erhalten, jederzeit einsatzfähig, er wanderte aus der Schönbrunner Wagenburg ins Museum der Feuerwehr (konkret untergebracht in der Hauptfeuerwache Floridsdorf, XXI., Josef-Brazdovics-Straße 4). Gleich daneben findet sich der Star der frühen Löschtechnik, die große Hoffeuerspritze von 1786, vierspännig ausgelegt, am rechten vorderen Pferd saß der Leitkutscher. Der Wasserwagen mit dem 500-Liter-Fass wurde durch zwei Kutscher hinter der Pumpe nachgeführt. Wichtig waren die seitlich angebrachten Wappen, Doppeladler mit Reichsapfel und Zepter, Botschaft: Wir gehören zur kaiserlichen Entourage.

    Im Rathaus geruhte 1901 Kaiser Franz Joseph allergnädigst die Exponate der Wiener Feuerwehr, die auf der großen Fachausstellung im Berlin Aufsehen erregt hatten, zu besichtigen. Nicht gesehen hat er aber 1902 das erste elektrisch betriebene, auf einer Lohner-Konstruktion basierende Feuerwehrkraftfahrzeug. Zwei Modelle wurden damals erworben, eines diente der Umschulung von Kutscher auf Kraftfahrer, das andere war bis 1914 im Brandschutzeinsatz. Der 4,5 PS starke Gleichstrommotor lieferte 649 U/min. Als Kraftquellen dienten Tudor-Batterien mit 120 V, die 44 Zellen wogen 500 kg, Ladezeit: rund acht Stunden. Fahrzeuggeschwindigkeit 26 km/h, Vollgummireifen, Blattfedern, Gewicht 1900 kg. Kurzum: Eine Fahrt bei damaligen Straßenverhältnissen war fast ein Höllenritt.

    Austro Fiat

    Vom Zusammenbruch der Monarchie 1918 profitierte die Wiener Feuerwehr sogar: Aus Militärbeständen wanderten wichtige Fahrzeuge in den Fuhrpark. Eins davon tauchte als Scheunenfund 1986 wieder auf – ein "Subventions-Lkw", Austro Fiat (Typ 4TS), Baujahr 1914. Kenndaten: 7,48 l Kubatur, 38 PS, vier Vorwärtsgänge, vier Tonnen schwer nach Umbau. Subvention bedeutete, dass der Käufer in Monarchiezeiten einen Staatszuschuss bekam, er musste den Wagen aber im Kriegsfall dem Militär leihen. Auch der Austro-Daimler-DF-4-Pumpenwagen mit 35-PS-Vierzylinder stammte aus Militärbeständen, der treue "Soldat" diente bis 1949 als Einsatzwagen.

    1918 bis 1938 bestand der Fuhrpark der Wiener Feuerwehr hauptsächlich aus Einzelstücken, Beispiel: das Halbkettenfahrzeug Citroën C6 für schweres Gelände. Der Anschluss 1938 bedeutete für die Wiener Berufsfeuerwehr die Eingliederung in die Polizei als Feuerschutzpolizei. Der Fuhrpark wurde modernisiert, vereinheitlicht, Schwerpunkt Opel-Blitz-Nutzfahrzeuge. Ein Unikat von damals ist die Henschel-Kraftspritze Type 15, Baujahr 1939 – das einzige noch existierende Fahrzeug dieses Typs.

    Abzug des Fuhrparks

    April 1945, die Russen stehen vor Wien. Wiens Polizei inklusive Feuerwehr rückt mit 450 Löschwagen nach Oberösterreich ab. Vor Ort verblieb kaum brauchbares Gerät. Glück gehabt, denn in Graz bewegte sich der gesamte Fuhrpark zwei Tage nach dem Einmarsch der Russen ostwärts. Sommer '45 schlägt die Stunde des legendären Feuerwehrchefs Josef Holaubek. Im Schutz der Amerikaner brachte er im Konvoi aus Linz 50 Feuerwehrfahrzeuge zurück, mitten durch die Russenzone. Selbst die Westalliierten sorgten sich um die Wiederaufrüstung der Wiener Feuerwehr. Aus eigenen Überschussbeständen und Beutefahrzeugen der Wehrmacht wurde gespendet. So landete eine heute rare Krupp-Protze – mit Stützrädern für den Geländeeinsatz – als einsatzfähiger Zillenträger im Fuhrpark. (Peter Urbanek, 23.4.2017)

    Bei Gruppenführungen (maximal 25 Personen) durch die historische Fahrzeugsammlung in Floridsdorf ist eine Terminvereinbarung unter +43 1 531 99-51 207 nötig.

    gerald.schimpf@wien.gv.at

    • Einmalige historische Schätze befinden sich in Besitz der Wiener Feuerwehr.
      foto: andreas stockinger

      Einmalige historische Schätze befinden sich in Besitz der Wiener Feuerwehr.

    • Zum Beispiel die ältesten Feuerwehrfahrzeuge der k. k. Hoffeuerwache aus dem späten 18. Jahrhundert.
      foto: andreas stockinger

      Zum Beispiel die ältesten Feuerwehrfahrzeuge der k. k. Hoffeuerwache aus dem späten 18. Jahrhundert.

    • Oder die Dampfspritze von 1878.
      foto: andreas stockinger

      Oder die Dampfspritze von 1878.

    • Nicht weniger spannend der Kohlensäure-Löschwagen, ein Elektromobil von 1902.
      foto: andreas stockinger

      Nicht weniger spannend der Kohlensäure-Löschwagen, ein Elektromobil von 1902.

    • Eine Illustration mit Kronprinz Rudolf als Einsatzleiter bei der Brandbekämpfung.
      foto: archiv gilbert müller

      Eine Illustration mit Kronprinz Rudolf als Einsatzleiter bei der Brandbekämpfung.

    • Ein Tanklöschfahrzeug Type 15 auf Basis eines Opel Blitz von 1942.
      foto: andreas stockinger

      Ein Tanklöschfahrzeug Type 15 auf Basis eines Opel Blitz von 1942.

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