Spielentwickler Molyneux: "Kinect war ein Desaster"

18. April 2017, 10:39
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"Das Versprechen war so enorm. Doch was letztlich davon übrig blieb war so wenig"

Bevor Microsoft alles auf Grafikleistung setzte, versuchte der Redmonder IT-Konzern seine Spielkonsole Xbox mit einem neuartigen Steuerungssystem einer breiten Masse zugänglich zu machen. Mit dem damals beigelegten Kinect-Sensor hätte man auf der Xbox One Games mit Körperbewegungen und Sprachbefehlen spielen sollen. Angetrieben von dem wirtschaftlichen Erfolg des ersten Modells, das noch für Xbox 360 auf den Markt kam, glaubte Microsoft mit Kinect für Xbox One hunderte Millionen neue Kunden für sich gewinnen zu können. Doch die Geschichte nahm bekanntermaßen einen anderen Verlauf – spätestens seit der Revision Xbox One S ist der einst als revolutionär bezeichnete Bewegungssensor innerhalb und außerhalb Microsofts kein Thema mehr.

"Kinect war ein Desaster", sagt Peter Molyneux in einem aktuellen Interview mit der Seite IGN. Der berühmt berüchtigte Entwickler von Spielen wie "Fable" und "Black and White" galt einst unter Microsofts Schirmherrschaft als einer der größten Verfechter der Technologie, doch blickt mittlerweile enttäuscht auf die Erfindung zurück.

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Die "Milo"-Demo zu Kinect (Project Natal)

"Ein Fiasko"

"Es war ein Fiasko. Es begann als Gerät, das praktisch alles selbst konnte. Es nahm keine Rechenleistung in Anspruch, der Sensor erfasste den gesamten Raum", erinnert sich Molyneux an den ersten, leistungsstarken Prototypen. "Die Mikrofone, über die niemand mehr spricht, hätten ursprünglich mehrere Quellen erfassen können und feststellen können sollen, wo man sich (im Raum) befindet."

Letztendlich habe Microsoft allerdings viele dieser Vorzüge wohl aus Kostengründen verworfen und musste von der einstigen, sehr fortschrittlichen Vision absehen – wenngleich man Kunden bereits mit Werbevideos und überzeugten Entwicklern wie Molyneux anfangs kräftig Honig um den Mund schmierte.

Viel Hype um nichts?

"Letztendlich blieb nichts davon über", so Molyneux. "Das Versprechen war so enorm. Doch was letztlich davon übrig blieb war so wenig. Tatsächlich erinnert mich das aktuell ein bisschen an Virtual Reality", sagt der Entwickler und warnt bereits vor der nächsten Blase, zu deren Wachstum er aber zumindest aktuell nicht beiträgt.

Molyneux verhalf Kinect speziell mit dem 2009 vorgestellten Projekt "Milo" zu Schlagzeilen, als er auf der Spielmesse E3 eine Demo mit einem KI-Jungen zeigte, der mit Sprache und Gesten auf natürliche mit dem Spieler zu interagieren schien. Dass fast alles daran gestellt war, stellte sich erst Jahre nach dem Marktstart von Kinect heraus, nachdem die Arbeiten an dem Projekt eingestellt wurden. Molyneux und Microsoft wollten damit ihre Zukunftsvision veranschaulichen, scheiterten aber letztendlich wie Kinect insgesamt an den Limitierungen der Technologie. (zw, 18.4.2017)

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    foto: reuters/mario anzuoni
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