"Zu guter Letzt": Eiserne Lady auf dem Egotrip

    17. April 2017, 18:17
    posten

    Mark Pellingtons Komödie beschert Shirley MacLaine eine nur bedingt sympathische Altersrolle

    Wien – Vieles lässt sich über Harriet Lauler sagen, nur leider nicht viel Gutes. Die vermögende Dame, die sich in jenen Jahren befindet, die man höhnisch gerne als die besten bezeichnet, ist so unhöflich wie pedantisch und stur. Besonders negativ ist ihr aber anzurechnen, dass sie als Protagonistin der US-Komödie Zu guter Letzt (The Last Word ) das Spätwerk Shirley MacLaines um einen verzichtbaren Fleck bereichert. Dabei geht MacLaines Arbeit durchaus in Ordnung, retten kann sie diesen Film, der mit seiner selbstgerechten Art Harriet perfekt widerspiegelt, aber auch nicht.

    foto: tobis film
    Guck mal, wer hier schaut:
    Shirley MacLaine sucht sich ein schräges Hobby und findet eine Tochter.

    Dem ihr eigenen Kontrollzwang entsprechend beschließt die Alleinstehende eines düsteren Abends, ihren Nachruf ante mortem schreiben zu lassen. Für die in Windeseile verpflichtete Redakteurin Anne (Amanda Seyfried als spätgeborenes Grunge-Mädchen mit poetischer Ader) keine leichte Aufgabe, weiß doch nicht einmal der Pfarrer ein nettes Wort über die Auftraggeberin zu verlieren. Die beiden ungleichen Frauen beschließen daher, dem Leben der resoluten Alten auf den letzten Metern noch eine besser verwertbare Richtung zu geben. Auf dem Plan stehen somit ein schräges Hobby, soziale Wohltätigkeit und Versöhnung mit der Familie.

    Hart und herzlich

    Wie Mark Pellingtons Film (Drehbuch: Debütant Stuart Ross Fink) die ersten beiden Punkte abhandelt, ist bestenfalls als zynisch zu bezeichnen. Mit generationsübergreifender Ellenbogenmentalität schnappt sich Harriet sowohl den morgendlichen DJ-Slot eines lokalen Radiosenders, wie auch ein afroamerikanisches Mädchen (AnnJewel Lee Dixon), das fortan machen darf, was afroamerikanische Mädchen in derlei Filmen eben so machen dürfen: frech reden und possierlich tanzen.

    zero media

    Lediglich die Begegnung mit der entfremdeten Tochter (Anne Heche) könnte als Höhepunkt des Films durchgehen – wenn die Szene nicht so kurz und die folgenden Minuten nicht so zahlreich wären. Auch in diesen wird die eiserne Lady nur bedingt sympathischer, vielmehr werden einfach noch weitere Fixpunkte des Genres abgearbeitet: Baden im Mondenschein, Tanzen im Wohnzimmer, Rührseliges am Ende. Nur die ausgewählte Musik, die kann man schon so hinnehmen. (Dorian Waller, 17.4.2017)

    Jetzt im Kino

    Share if you care.