Zugunglück in Meidling: Regionalexpress überfuhr Signal

17. April 2017, 18:25
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Untersuchung, ob technischer Defekt oder menschliches Versagen zur Fehlleistung führte – Nahverkehr betroffen

Wien – Zwei Tage nach dem Zugunglück im Bahnhof Wien-Meidling ist die Ursachenforschung einen Schritt weiter. Am Ostermontag stand fest, dass der an der Kollision beteiligte Regionalexpress (REX) ein Signal überfahren hatte. Deshalb dürfte es zur Kollision mit dem Railjet gekommen sein. Das sagte ÖBB-Sprecher Roman Hahslinger am Ostermontag.

Unklar war aber nach wie vor, wie es zu dem Überfahren des Signals kam. "Das müssen wir untersuchen, ob es ein menschliches Versagen oder ein technischer Defekt war, der dazu geführt hat", erläuterte Hahslinger. Die beiden Züge waren am Samstagnachmittag gegen 16.30 Uhr im Bereich des Bahnsteiges 5 aufeinandergeprallt. Der Railjet war offenbar gerade beim Anfahren, der REX hingegen auf einer Verschubfahrt, weil er kurz darauf die Strecke Richtung Norden nach Retz und Znojmo (Znaim) über Floridsdorf in Angriff nehmen sollte. Für Verschubfahrten gelten andere Regeln als im Liniendienst.

Neun Personen verletzt

Jedenfalls waren beide Züge im Bahnhofsbereich mit verhältnismäßig geringer Geschwindigkeit unterwegs. Nicht zuletzt deshalb endete die Kollision vergleichsweise glimpflich. Neun Personen wurden im Railjet verletzt, die schwerste Blessur war ein Handbruch. Der REX war leer, die beiden Lokführer blieben unverletzt. Die Schäden waren jedoch beträchtlich. Der Railjet wurde teilweise aus den Schienen gehoben und zur Seite gekippt. Auch eine Oberleitung war beschädigt. Die Unfallzüge wurden noch am Sonntag komplett vom Unfallort abtransportiert, die Oberleitung war am Montag bereits instand gesetzt.

Gesperrt blieben auch am Montag zwei der acht Gleise im Bahnhofsbereich. Laut Hahslinger mussten Schienen und Weichen ausgetauscht werden, die ebenfalls ramponiert wurden. Das werde noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die Lokführer wurden ebenso zum Unfallhergang befragt wie die Fahrdienstleiter. Die Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes (SUB) hat die Ermittlungen übernommen. Zwei Mitarbeiter der SUB dokumentierten den Unfallort mit Fotos und sicherten Beweismittel. Sie sicherten auch die Datenschreiber der beteiligten Garnituren sowie der Sicherungsanlage im Bahnhof. Diese zeichnen ähnlich wie eine Black Box in Flugzeugen alle Details zu Fahrstrecke und Geschwindigkeit auf. Auch alle Handlungen von Lokführer und Fahrdienstleiter werden registriert.

Weiters wurden laut Verkehrsministerium die Sprachspeicher gesichert, welche die Kommunikation von Lokführer und Fahrdienstleiter aufnehmen. Bereits in der Nacht auf Sonntag seien die Aufzeichnungen der Kameras an den Bahnsteigen gesichtet worden. Mit Ergebnissen sei in den nächsten Tagen zu rechnen. Die Polizei erstattete routinemäßig Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen unbekannte Täter.

Auswirkungen auf Nahverkehr

Das Unglück hat ab Dienstagfrüh mit Betriebsbeginn Auswirkungen auf den Nahverkehr. Das teilten die ÖBB am Sonntagabend mit.

Im Detail sind ab Dienstag folgende Verbindungen betroffen:

  • Regionalzüge von Retz nach Wien-Meidling fahren ab beziehungsweise bis Wien-Floridsdorf.
  • S80-Züge mit dem Zugziel Wien-Hirschstetten halten nicht am Bahnhof Wien-Matzleinsdorfer Platz.
  • Schnellbahn-Züge aus Richtung Floridsdorf mit Ziel Wien-Meidling fahren ab bzw. bis Wien-Mitte.
  • SB-Züge aus Richtung Floridsdorf mit Ziel Liesing fahren ab bzw. bis Wien-Praterstern.
  • Die Züge 2757 (Wien-Meidling ab 17.35 Uhr nach Hartberg), 7149 (Wien-Meidling ab 17.00 Uhr nach Deutschkreutz) und 7153 (Wien-Meidling ab 18.00 Uhr nach Deutschkreutz) werden über Ebenfurth umgeleitet.

Der Fernverkehr ist laut ÖBB nicht mehr eingeschränkt. Details gibt es auch auf der ÖBB-Homepage. (APA, red, 17.4.2017)

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