Mann zeigt Mord auf Facebook, sucht live weitere Opfer

17. April 2017, 22:06
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Facebook löscht Video, Verdächtiger übertrug nach Mord in USA mehrfach – Belohnung ausgesetzt

Cleveland – In den USA wird ein Mann gesucht, der das Video eines selbst verübten Mords auf Facebook veröffentlicht haben soll. Die Polizei in Cleveland teilte mit, Steve Stephens (37) werde verdächtigt, einen 74-Jährigen getötet und die Tat am Sonntag nahezu live in dem sozialen Netzwerk übertragen zu haben. Er sei bewaffnet und gefährlich. Das Opfer scheine willkürlich ausgewählt worden zu sein.

Während das Video wirkte, als sei es eine Live-Übertragung, stellte sich später heraus, dass der Verdächtige es nach einer kurzen Verzögerung hochgeladen hatte. Wenige Minuten danach begann er jedoch mehrfach, live zu streamen. Facebook hat den Account des Mannes nun komplett gesperrt, berichtet das Wall Street Journal. Am Montag setzte die Polizei Belohnung von 50.000 US-Dollar aus, verkündete Bürgermeister Frank Johnson.

Angeblich noch mehr Opfer

Der mutmaßliche Täter habe darüber hinaus behauptet, weitere Menschen getötet zu haben. Dies sei aber noch nicht bestätigt. Die Polizei habe Hunderte Hinweise geprüft, aber keine Zusammenhänge zu anderen Vorfällen in der Stadt entdeckt. Stephens soll angegeben haben, insgesamt bis zu 13 Personen getötet zu haben. Später erhöhte er diese Zahl auf 15 und behauptete, dass eine Reihe von Leichen in einem verlassenen Haus zu finden seien.

Der Verdächtige sei "wütend auf seine Freundin" gewesen und habe deshalb auf Menschen geschossen, sagte seine Mutter dem Sender CNN. Sie habe am Sonntag mit ihrem Sohn gesprochen und ihn gebeten aufzuhören, berichtete die Frau. Sie könne nicht glauben, was passiert sei. Laut dem Bericht hatte die Polizei am Sonntag auch mit der Freundin des mutmaßlichen Täters gesprochen.

Medienberichten zufolge arbeitete der Verdächtige in einer Klinik für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten im Nordosten von Ohio.

Willkürliche Auswahl

Polizeichef Calvin Williams sagte: "Was heute geschah, ergibt keinen Sinn." Der Täter habe eine Person willkürlich ausgewählt. Er forderte den Täter auf, sich zu stellen. Das Video wurde von Facebook drei Stunden nach der Tat gelöscht. Es ist nicht das erste Mal, dass Inhalte schockieren, die live oder nahezu live auf Facebook gestellt werden. Auf der Plattform wurden etwa Polizeigewalt, Vergewaltigungen und Misshandlungen in Echtzeit übertragen.

Kein präventives Upload-Verbot

Facebook verlässt sich auf ein Team an Mitarbeitern, um Videos zu sperren. Eine zentrale Rolle nehmen die Nutzer selbst ein, die verbotene Inhalte an Facebook melden sollen. Die Plattform weigert sich, bestimmte Inhalte nach automatisierter Analyse präventiv zu sperren. Allerdings ist das Problem nicht zwingend plattformspezifisch, auch bei Liveübertragungen im Fernsehen kann es zu spontanen Ereignissen kommen, die Zuseher verstören. Das 57 Sekunden lange Video, das den Verdächtigen bei seinem Mord zeigt, dürfte Facebook nun länger beschäftigen.

Facebook beruft sich bei derartigen Inhalten auch auf den Informationsgehalt der Videos. So spiele der Kontext, in dem derartige Videos erscheinen, eine wichtige Rolle. In Österreich sorgte beispielsweise ein Gewaltvideo für Entsetzen, das zeigt, wie ein junges Mädchen verprügelt wird. Facebook gab damals an, dass das Video nicht Gewalt verherrliche, sondern dagegen auftrete. Auf Verlangen der Staatsanwaltschaft kam es jedoch zur Löschung. (APA, red, 17.4.2017)

Chronologie:

Immer wieder ist es in jüngster Vergangenheit vorgekommen, dass sich Täter mit Videos von Morden, Vergewaltigungen und anderer Gewalttaten in sozialen Netzwerken brüsten. Nachfolgend einige besonders drastische Beispiele der vergangenen Monate:

März 2017: Die mutmaßliche Vergewaltigung eines 15 Jahre alten Mädchens in Chicago wird live auf Facebook übertragen. Verdächtigt werden mehrere Jugendliche. Das Mädchen war in der Nähe seiner Wohnung verschwunden und erst ein paar Tage später wieder aufgefunden worden.

März 2017: Der neun Jahre alte Jaden wird in Herne (Nordrhein-Westfalen) erstochen. Im Internet werden Fotos verbreitet, die den mutmaßlichen Mörder Marcel H. blutverschmiert neben dem Kind zeigen. Auch Fotos eines zweiten 22 Jahre alten Opfers tauchen im Netz auf.

Jänner 2017: Ein auf Facebook übertragenes Live-Video zeigt, wie ein geistig behinderter 18-Jähriger in Chicago gequält wird. Zwei 18-Jährige und ihre Schwestern im Alter von 18 und 24 Jahren sollen ihn entführt, sich bei der Tat gefilmt und das Video übertragen haben.

Jänner 2017: In schwedischen Uppsala nimmt die Polizei drei Männer fest, die eine Frau vergewaltigt und die Tat in einer geschlossenen Gruppe bei Facebook übertragen haben sollen. Facebook-Nutzer hatten die Ermittler auf den Livestream aufmerksam gemacht.

Links

Wired

TheVerge

Nachlese

Belästigung 15-Jähriger auf Facebook gestreamt: 40 schauten zu

Männer sollen Vergewaltigung ins Internet gestellt haben: Anklage

Zuerst gelöscht, nun wieder online: Facebook erlaubt brutales Folter-Video

  • Facebooks Livestreaming-Angebot wird für Gewaltinhalte missbraucht
    foto: reuters/duvignau

    Facebooks Livestreaming-Angebot wird für Gewaltinhalte missbraucht

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