Nordkorea provoziert mit Raketentest: Trump kündet harten Kurs an

16. April 2017, 17:22
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Der Raketentest schlug fehl. US-Präsident Trump erhöht den Druck auf China, Nordkorea bei seinem Rüstungsprogramm Einhalt zu gebieten

Seoul – Nordkorea hat ungeachtet der Spannungen im Konflikt mit den USA erneut eine Rakete getestet. Der Versuch schlug aber fehl. Das Geschoss explodierte am Sonntag nach US-Angaben unmittelbar nach dem Start. Der Test ereignete sich nur einen Tag nach dem wichtigsten Nationalfeiertag Nordkoreas und wenige Stunden vor der Ankunft von US-Vizepräsident Mike Pence in Südkorea.

Nordkorea ignorierte damit auch alle Mahnungen seines Verbündeten China. Die US-Regierung reagierte zurückhaltend auf die neue Provokation. Der Test sei keine Überraschung und gescheitert wie der Versuch zuvor, sagte ein Berater von Pence. Die USA müssten daher nicht stärker darauf reagieren. Südkorea sprach von einer Bedrohung für die gesamte Welt. Auch die Bundesregierung verurteilte den Raketentest.

Bei dem Geschoss handelte es sich nach US-Angaben vermutlich um eine Mittelstrecken-Rakete. Die gute Nachricht sei, dass der Test an der Ostküste schon nach fünf Sekunden gescheitert sei, sagte der Pence-Berater, der namentlich nicht genannt werden wollte. US-Außenminister Rex Tillerson telefonierte der Nachrichtenagentur Xinhua zufolge wegen des Vorfalls mit der chinesischen Führung. Über den Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Trump kündet harten Kurs an

US-Präsident Donald Trump hat einen harten Kurs gegenüber der Regierung in Nordkorea angekündigt, die im vergangenen Jahr auch zweimal Atomwaffen testen ließ. Er erhöhte zudem den Druck auf China, Nordkorea bei seinem Rüstungsprogramm Einhalt zu gebieten und erklärte, er sei notfalls zu einem Alleingang bereit. Nordkorea hingegen provozierte zuletzt auch mit einem Raketentest kurz vor dem US-Besuch von Chinas Staatschef Xi Jinping Anfang April.

China rief erst am Freitag zu Zurückhaltung in dem Konflikt auf. Die Volksrepublik ist der einzige Verbündete des weitgehend isolierten Nachbarlandes, lehnt aber dessen umstrittenes Atomprogramm ab. Die Regierung in Peking unterstützt deshalb die UN-Sanktionen. So schickte sie kürzlich zahlreiche nordkoreanische Schiffe mit Kohlelieferungen zurück. Kohle ist ein wichtiges Exportgut für das verarmte Nordkorea. Auch Russland mahnt zur Mäßigung.

"Provokation"

Der Nationale Sicherheitsberater der US-Regierung, H.R. McMaster, hat den Raketentest Nordkoreas als Provokation bezeichnet. Die USA würden mit ihren Verbündeten, darunter auch China, daran arbeiten, eine Reihe von Optionen auszuarbeiten, sagte McMaster am Sonntag dem US-Fernsehsender ABC.

"Der jüngste Raketentest passt in ein provozierendes und destabilisierendes und drohendes Verhaltensmuster des nordkoreanischen Regimes", sagte McMaster. Es gebe nun einen internationalen Konsens, dass die Situation so nicht bleiben könne. Auch China teile diese Auffassung.

Pence sichert Südkorea Unterstützung zu

Pence sicherte Südkorea bei seinem Besuch Unterstützung zu. Die USA hätten nie enger und entschlossener an der Seite ihres Verbündeten gestanden, sagte Pence in einer Rede vor US-Soldaten kurz nach seiner Ankunft. Die südkoreanische Regierung berief eine Sitzung des nationalen Sicherheitsrats ein. Der Raketentest bedrohe die gesamte Welt, warnte sie. Die Bundesregierung verurteilte den Test. Das Regime in Pjöngjang sei auf Konfrontationskurs und zeige sich gewillt, trotz der klaren Warnungen der internationalen Gemeinschaft die Spannungen nochmals zu verschärfen, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

Seit das US-Militär mit Luftangriffen in Syrien und Afghanistan eingegriffen hat, wachsen die Sorgen, Trump könne ähnliche Pläne für Nordkorea hegen. Nachdem ein US-Flugzeugträger in die Region geschickt wurde, drohte die Führung in Pjöngjang den USA mit einem Atomschlag. Am Samstag kündigte Nordkorea Vergeltungsmaßnahmen an, sollten die USA ihre "Provokationen" nicht einstellen. Bei der Parade zum 105. Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung, dem Großvater von Machthaber Kim Jong Un, präsentierte das Militär zudem offenbar neue Langstrecken- und U-Boot-gestützte Raketen.

Nordkorea ist trotz seiner wirtschaftlichen Probleme eine bedrohliche Militärmacht. Experten schätzen, dass das Land ständig mehr als eine Million Soldaten unter Waffen hat. Seoul, die Hauptstadt des Nachbarlandes und US-Verbündeten Südkorea, liegt nur etwa 40 Kilometer von der Grenze entfernt. Mit seinen Raketen kann Nordkorea auch Japan erreichen. (Reuters, 16.4.2017)

Wie Nordkorea die westliche Welt provoziert


Dezember 2012: Trotz internationaler Warnungen befördert das Regime einen Satelliten ins All. Die USA und Südkorea befürchten, dass damit eine Interkontinentalrakete getestet werden sollte.

Februar/März 2013: Allen Warnungen zum Trotz unternimmt Pjöngjang einen weiteren unterirdischen Atomversuch. Der UNO-Sicherheitsrat antwortet mit Sanktionen.

Oktober 2014: Zwischen Grenzposten der beiden Teilstaaten kommt es zum Schusswechsel. Nordkorea fühlte sich durch Flugblätter provoziert.

Mai 2015: Nordkoreas staatliche Medien berichten, das Land habe erstmals erfolgreich von einem U-Boot eine neuartige ballistische Rakete abgefeuert.

Juni 2015: Nordkoreanische Streitkräfte haben nach südkoreanischen Angaben erneut Raketen von kurzer Reichweite abgefeuert. Schon im Februar und Mai seien solche Raketen getestet worden.

August 2015: Landminen an der innerkoreanischen Grenze verletzen zwei südkoreanische Soldaten. Nach einem Schusswechsel an der Grenze droht Pjöngjang mit einem Militärschlag. In zähen Krisengesprächen wenden Süd- und Nordkorea eine Eskalation ab.

Jänner 2016: Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals eine Wasserstoffbombe erfolgreich gezündet und löst damit weltweit Empörung aus. Atomexperten in Südkorea und anderen Ländern bestätigen einen Kernwaffentest, bezweifeln aber, dass eine Wasserstoffbombe detonierte. Die USA versetzen ihre Truppen in Südkorea in höchste Alarmbereitschaft.

Februar 2016: Das Regime in Pjöngjang schießt erneut einen Satelliten ins Weltall und brüskiert damit die Weltgemeinschaft.

März 2016: Der UNO-Sicherheitsrat verhängt seine bisher schärfsten Sanktionen gegen Nordkorea. Der kommunistische Staat sorgt mit neuen Raketentests für Unruhe. Als Reaktion auf Militärmanöver der USA mit Südkorea droht das Regime dem Nachbarn erneut mit Militärschlägen.

Februar 2017: Pjöngjang testet eine ballistische Rakete. Bei Tausenden Kilometern Reichweite könnte sie einen Atomsprengkopf transportieren.

März 2017: Nordkorea feuert vier ballistische Raketen ab – drei davon seien erst in der 200-Seemeilen-Zone vor Japan ins Meer gestürzt, heißt es aus Tokio.

April 2017: Nordkorea feuert von der Ostküste eine ballistische Rakete in Richtung offenes Meer. Laut US-Pazifikkommando handelt es sich vermutlich um den Mittelstrecken-Typ KN-15.

16. April 2017: Nordkorea zündet erneut eine Rakete. Sie explodiert nach US-Angaben "fast sofort" nach dem Start. Am Vortag demonstriert Pjöngjang mit einer großen Militärparade anlässlich des 105. Geburtstags des verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung Stärke.

  • Nordkoreanische Soldaten bei einer Show anlässlich der Feierlichkeiten in Pyongyang.
    foto: apa/afp/ed jones

    Nordkoreanische Soldaten bei einer Show anlässlich der Feierlichkeiten in Pyongyang.

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