Steirischer Kren aus Tschechien treibt Steirern Tränen in die Augen

15. April 2017, 12:00
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Efko reibt den steirischen Kren in Tschechien, was Steirerkren aus Feldbach gar nicht schmeckt

Wien – Bei der Fleischweihe zu Ostern darf er in der Steiermark und in Kärnten als knorrige Wurzel nie fehlen. Fein vermahlen oder gerieben lassen sich Österreicher von ihm aber auch abseits der Feiertage gern die Tränen in die Augen treiben. Kren regt den Appetit an und kurbelt den Kreislauf an. In der Lebensmittelbranche bringt er neuerdings sogar das Blut in Wallung. Denn rund um seine Wurzen tragen zwei Rivalen ein herzhaftes Scharmützel aus.

Der Kren ist ein gebürtiger Steirer, zumindest auf den Tellern der Österreicher. Damit das so bleibt, erreichten die Steirer vor gut neun Jahren die EU-weite Herkunftssicherung mit der geschützten geografischen Angabe. Der Haken dabei: Anders als etwa bei der steirischen Käferbohne muss zwar der Anbau in der Steiermark erfolgen, nicht aber die Verarbeitung.

Der oberösterreichische Gemüse- und Obstvermarkter Efko reibt nun die als steirischer Kren deklarierte Wurz in Tschechien. 700 Tonnen sind es im Jahr, die steirische Felder gen Osteuropa verlassen und in Glaserln gefüllt in die österreichischen Supermärkte zurückkehren. Auf den Etiketten ersichtlich ist das nicht. Muss es per Gesetz auch nicht sein. Moralisch fraglich findet es manch Krenpatriot dennoch. Schärfster Kritiker der Praxis ist Philipp Hörrlein.

Harte Handarbeit

Sein Betrieb hat den Markt mit der Marke Steirerkren seit Jahren fest in der Hand. Gut 2000 Tonnen durchlaufen im Jahr seine Maschinen in Feldbach. Heraus kommen eine halbe Million Eimer und vier Millionen Gläser an Kren. Der Anteil an Handarbeit ist hoch.

Hörrlein füllte über Jahre Kren für die Marke Efko ab. Bis die Eferdinger ihn selbst verarbeiten wollten – wogegen ja auch gar nichts einzuwenden sei, wie er betont.

Dass der steirische Kren jedoch zu einer Tochter der Gruppe ins kostengünstigere Ausland abwanderte, sei unfairer Wettbewerb, ärgert sich Hörrlein. "Wir werden sicher nicht abwandern, haben nun aber erhebliche Kostennachteile." Was die Ursprungsangabe betrifft, habe Efko eine andere Rechtsauffassung, was angesichts schwammiger Kriterien auch nicht gerade verwundert. Konsumenten müssten sich aber darauf verlassen können, sagt Hörrlein, dass, wo Steiermark draufsteht, auch ausschließlich steirische Qualität drin sei.

Verein rund um den Kren

Efkos Perspektive ist eine andere: Die Feldbacher hätten den Eferdingern preislich keine Luft gelassen und selbst den Vertrag gekündigt, sagt Efko-Chef Klaus Hraby. "Wir wollten uns nicht aus dem Markt drängen lassen und machen jetzt alles selbst." Das eigene Werk in Tschechien habe sich für Kren strukturell schlicht angeboten.

"Die Bauern sind glücklich über uns, weil wir ihnen einen höheren Preis zahlen." Prozesse, in denen der Mitbewerb seinem Betrieb unlauteres Verhalten vorwarf, habe Efko im Übrigen alle gewonnen.

Ein Verein rund um den Kren bemüht sich beim Patentamt, diesen wieder zu einem echten Steirer zu machen, was Efko mit Einsprüchen aber torpediere, entgegnet Hörrlein. Dass er ein Monopol auf dem Krenmarkt im Sinne habe, weist er entschieden zurück.

Efko ist nicht abgeneigt

Krenbauer und Vereinsgründer Martin Kern will Konsens: "Wir bemühen uns um mehrere Abnehmer. Wir wollen aber auch, dass der steirische Kren weiter nur in der Steiermark verarbeitet wird."

Efko ist dem nicht abgeneigt. Im ersten Schritt verspricht Hraby für 2018 ein steirisches Krenlager. In der Folge sei auch eine neue steirische Produktion in Überlegung. "Wenn es wirtschaftlich passt – nicht weil der Mitbewerb sauer auf uns ist."

Während sich zwei streiten, bemüht sich ein Dritter, im Krengeschäft stärker Fuß zu fassen. Paul König, Mautner Markhofs Lieferant für Tafelkren, reibt seit 2016 unter der eigenen Marke Krenkönig für Gastronomen, wobei ihn künftig auch kleinere Einheiten reizen. Sein Großvater erfand einst die ersten Krenerntegeräte, erzählt er. Auch Schrumpffolien für die Wurzen ließ er patentieren. Die Patente des Pioniers liefen zwar aus – dem Kren blieb seine Familie aber treu. König verarbeitet jährlich rund 800 Tonnen und extrahiert aus Krensaft auch Enzyme für die Pharmazie. (Verena Kainrath, 15.4.2017)

  • Rund um steirischen Kren gibt es scharfe Scharmützel – es geht um Fragen der Moral und des Rechts.
    foto: apa

    Rund um steirischen Kren gibt es scharfe Scharmützel – es geht um Fragen der Moral und des Rechts.

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