Zwangsverwaltung bei Alitalia abgewendet

14. April 2017, 17:24
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Der italienische Staat hält die marode Alitalia mit Garantien weiter am Leben

Die drohende Zwangsverwaltung bei Italiens Fluggesellschaft Alitalia konnte in letzter Minute verhindert werden. Die Gewerkschaften haben mit dem Unternehmen einen Kompromiss geschlossen, wonach die Zahl der Kündigungen von 2037 auf 1700 reduziert wird und die Gehälter statt um 30 nur um acht Prozent gekürzt werden.

Der Abbau des unbefristet angestellten Bodenpersonals soll nicht 1338 Personen, sondern nur 980 betreffen. Dies steht jedenfalls im Vorvertrag, der von den Sozialpartnern unter Vermittlung der Regierung in der Nacht auf Freitag unterschrieben wurde. Infrastrukturminister Graziano Delrio meinte: Wir haben größte Anstrengungen gemacht, damit die beiden Verhandlungspartner einen Kompromiss finden. Die Belegschaft muss darüber aber noch abstimmen.

Der italienische Staat will eingreifen. Industrieminister Carlo Calenda sagte zu, dass die Umwandlung der Alitalia-Schulden in Aktien seitens der Gläubigerbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo vom Staat garantiert werden soll. Nicht die staatliche Auffanggesellschaft Cassa Depositi e Prestiti, sondern die Investitionsgesellschaft Invitalia soll für die Umwandlung der Schulden in Aktien garantieren. Die Bank-Austria-Mutter Unicredit ließ wissen, dass sie ohne Garantien kein weiteres Engagement bei Alitalia eingehen werde. Auch verlangt der Unicredit-Vertreter bei Alitalia, Ex-Chef Federico Ghizzoni, die Hereinnahme eines starken Partners.

Die Zeit drängt, die liquiden Mittel der maroden Airline reichen nur mehr zehn Tage. 49 Prozent der Alitalia kontrolliert die arabische Etihad, Banca Intesa Sanpaolo und Unicredit halten gemeinsam knapp 35 Prozent.

Alitalia hat seit 2009 nur rote Zahlen geschrieben und einen akkumulierten Verlust von drei Milliarden Euro ausgewiesen. Während die Alitalia-Rivalen, von Lufthansa über Ryanair, Air France-KLM oder Easyjet ihre Passagierzahl in zehn Jahren verdoppelten oder verdreifachten, sank die Zahl der Alitalia-Passagiere seit 2010 von 30 Millionen auf 23 Millionen im Vorjahr. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, 15.4.2017)

  • Anfang April: Ein Alitalia-Crewmitglied vor streikenden Kollegen am römischen Flughafen.
    foto: reuters

    Anfang April: Ein Alitalia-Crewmitglied vor streikenden Kollegen am römischen Flughafen.

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