Ahmadi-Nejad mischt Iran-Wahl auf

15. April 2017, 09:00
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Konservative suchen aber weiter passenden Kandidaten – Rohani ließ sich am Freitag registrieren

Der Mann ist immer für eine Überraschung gut: Mahmud Ahmadi-Nejad hat sich für die iranische Präsidentenwahl am 19. Mai registrieren lassen. Dabei hatte er eigentlich angekündigt, nicht anzutreten, weil ihm der religiöse Führer Ali Khamenei abgeraten habe. Keine Überraschung ist dagegen, dass Amtsinhaber Hassan Rohani wieder antreten will. Er ließ sich am Freitag registrieren.

Dabei gehen Rohanis Anhänger auf Nummer sicher: Um einer eventuellen Ablehnung durch den Wächterrat zuvorzukommen, haben die Reformer vor, in den letzten Tagen der Registrierung – die Frist läuft am Sonntag aus – doch noch einen Schattenkandidaten vorzustellen. Wer infrage kommt, steht nicht fest.

Ablenkungsmanöver

Nicht unwahrscheinlich dürfte eine Ablehnung im Fall Ahmadi-Nejads sein. Vor zwei Monaten hatte Khamenei die Befürchtung geäußert, dass die Teilnahme des Expräsidenten zur Spaltung der politischen Kräfte führen könnte. Zwar sagt Ahmadi-Nejad nun, er habe sich nur registrieren lassen, um Hamid Baghaei, seinen früheren Stellvertreter, zu unterstützen, dies wird aber von Medien als Ablenkungsmanöver bezeichnet, um so den Willen des religiösen Führers zu umgehen.

Indes scheint auch ein Teil der Konservativen, die sich bei ihrer Sitzung vergangene Woche auf einen Kandidaten einigen wollten, wieder gespalten. Vor allem sie bringt Ahmadi-Nejad in Verlegenheit. Konservative Medien ignorierten seine Ankündigung zum Teil. Andere nannten sie einen unverschämten Akt gegen den Willen des religiösen Führers.

Die Konservativen hatten sich eigentlich schon mit großer Mehrheit hinter den Geistlichen Ebrahim Raisi gestellt, nun scheint es, dass in ihren Reihen Bedenken aufkommen. Wie ein Teilnehmer der Sitzung in einem vertraulichen Gespräch mit dem Standard sagte, hätten viele Teilnehmer in der Runde den Eindruck, dass Raisi ihnen aufgezwungen worden sei und nicht der geeignete Kandidat wäre, um Hassan Rohani bei den Wahlen Paroli zu bieten.(Amir Loghmany aus Teheran, 15.4.2017)

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