Der Osterhase als Eierlieferservice mit Postanschrift

Kopf des Tages16. April 2017, 08:00
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Warum gerade ein Hase die Ostereier versteckt, weiß eigentlich niemand so genau

Sollten Sie sechs Jahre oder jünger sein, ist es vielleicht klüger, nicht weiterzulesen. Denn das Wissen, dass der Osterhase Eier, Süßigkeiten und sonstiges Nützliches bringt, könnte ins Wanken geraten. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist der Osterhase als Geschenkebringer nämlich so real wie der Nikolaus.

Dass es bezüglich Osterhasi und Nikolausi gelegentlich jahreszeitliche Unsicherheiten gibt, hat ja bereits der großartige Gerhard Polt thematisiert.So schwer ist es aber gar nicht: Tagsüber sieht man den Feldhasen primär im Spätwinter und Frühjahr hoppeln. Kein Wunder also, dass er als Symbol für das Wiedererwachen der Vegetation gilt. Dass er ein Fruchtbarkeitssymbol ist, ist auch naheliegend.

Fuchs und Storch als Konkurrenz

Warum sich aber gerade der Hase als österlicher Eierlieferservice durchgesetzt hat, weiß niemand mehr. Er hat jedenfalls Konkurrenten wie Fuchs, Henne oder Storch ausgestochen. Erstmals wird der Brauch des eierversteckenden Wildtieres Ende des 17. Jahrhunderts für den Westen Deutschlands beschrieben, ab dem 18. verbreitete er sich. Die Evangelische Kirche in Deutschland ist davon überzeugt, dass es die Protestanten gewesen sind, die die Legende erfunden haben.

Andere vermuten, dass es mit einem Psalm zusammenhängt. In dem geht es im Original eigentlich um den Klippschliefer, auch Klippdachs genannt. In älteren Bibelübersetzungen ging man aber wohl zurecht davon aus, dass niemand in Mitteleuropa dieses Tier kennt. Stattdessen übersetzte man es mit Hase oder Kaninchen.

Keine katholische Kirchenmeinung

Wer katholisch ist, braucht jedenfalls keinen Gewissenskonflikt befürchten. Wie Michael Prüller, Sprecher der Erzdiözese Wien, sagt, gibt es keine offizielle Kirchenmeinung zum Osterhasen. "Der ist Brauchtum wie die Zahnfee. Kunsthistoriker weisen zwar darauf hin, dass der Hase seit dem 17. Jahrhundert in einigen Bildern als Auferstehungssymbol verwendet wird. Aber im Gegensatz zum Christkind hat der Hase keinen Bezug zur Religion."

Seit 35 Jahren gibt es übrigens in Deutschland einen weiteren Brauch: man kann dem Osterhasen, genauer, -häsin, Post schicken. Schreibt man bis Karfreitag an "Hanni Hase, Am Waldrand 12, 27404 Ostereistedt" (der Ortsname ist kein Scherz, Anm.), bekommt man eine Antwort samt Überraschung. Egal, wo auf der Welt man lebt. Das Porto für die jährlich 30.000 Antworten zahlt aber nicht das Tier, sondern die Deutsche Post. (Michael Möseneder, 16.4.2017)

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