Die Sterberate von "Redshirts" ist gar nicht so schlimm

16. April 2017, 11:06
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Ein Mathematiker rechnet vor, dass wieder einmal absolute und relative Zahlen verwechselt wurden

foto: ap photo/paramount
Detail am Rande: Uhura und Scotty hat die vermeintlich unheilschwangere Uniformfarbe nicht geschadet.

Ein Wort ist zum geflügelten geworden: "Redshirts". Es bezeichnet Nebenfiguren respektive Statisten in Filmen oder TV-Serien, deren hauptsächliche dramaturgische Funktion ihr Tod ist. In einem simplen Gut-Böse-Schema stehen diese Einwegfiguren auf der Seite des Guten – als ihr negatives Pendant nennt das in Sachen mediale Klischees sehr erhellende Wiki TV Tropes "Evil Minions" und "Mooks": Auch diese werden umgehend beseitigt – allerdings vom Helden und meist gleich in größerer Anzahl.

"Er ist tot, Jim"

Ursprung des Worts ist die TV-Serie "Star Trek", in der die Besatzungsmitglieder der Enterprise – nicht immer ganz konsistent – goldene, rote und blaue Uniformen trugen. Rot stand im Großen und Ganzen für Angehörige der Abteilungen Technik und Sicherheit.

Wenn diese die Hauptfiguren bei Außeneinsätzen begleiteten oder sich Invasoren, die die Enterprise geentert hatten, entgegenstellten, verlangte die Dramaturgie den einen oder anderen Todesfall. Während Kirk, Spock & Co natürlich jede Gefahr überstehen mussten, traf es also die Herren in Rot. SF-Autor John Scalzi hat die Angst des Redshirts vor dem Einsatz in einem eigenen Roman verewigt.

Alles falsch?

Möglicherweise war die stark erhöhte Sterberate von Redshirts – das Wort hat sich mittlerweile längst aus dem reinen "Star Trek"-Kontext gelöst – aber von Anfang an ein Missverständnis. Das behauptet Mathematiker James Grime, der vor kurzem auf der Veranstaltung "Star Trek: The Math of Khan" in New York vorrechnete, dass die Hypothese von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei: Es seien wieder einmal absolute und relative Zahlen verwechselt worden, das Bild sei somit verzerrt.

Man habe nämlich miteinzubeziehen vergessen, dass die Zahl von Rot tragenden Crewmitgliedern deutlich höher sei als die von Gold tragenden Führungsoffizieren. Seine Kalkulation: Von 43 Todesfällen in der Originalserie entfiel mit 25 zwar die absolute Mehrheit auf Redshirts – das seien aber nur zehn Prozent aller Rot tragenden Crewmitglieder gewesen. Umgekehrt hätten die zehn registrierten Todesfälle von Gold mit 18 Prozent einen fast doppelt so hohen Einschnitt in der Offizierspopulation bedeutet. Space.com hat diese und weitere Berechnungen hier zusammengefasst:

--> Space.com: "Redshirts Aren't Likeliest to Die — and Other 'Star Trek' Math Lessons"

--> TV Tropes

--> James Grimes Website

(red, 16. 4. 2017)

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