Von den Gründen für ein drittes Kind

Blog16. April 2017, 08:00
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Erst eins, dann zwei, dann drei ... Moment, drei Kinder? Wirklich? Von guten und weniger guten Argumenten für ein drittes Kind

Ich lebe in einer Familie mit mehreren Kindern. Zwei davon habe ich selbst geboren, sie sind mindestens zehn Jahre jünger als ihre Geschwister. Wir besuchen darum bei unseren nachmittäglichen Fahrten nicht nur Kindergarten und Volksschule, sondern auch Gymnasien. Aber: Die älteren Kinder leben nicht immer bei uns, und ja, sie brauchen ihre Eltern immer weniger. In meinem Freundeskreis gibt es viele Paare, die zwei Kinder haben. Die sind meist fünf bis zehn Jahre alt. Und rund um mich gibt es für viele Paare eine Frage: Was ist jetzt mit dem dritten Kind?

Jetzt schlafen alle durch

Das zweite Kind ist in der Lebensplanung vieler Menschen vorgesehen. Meist kommt es ganz schnell. Dann hat man diese beiden Kinder und erkennt: Es dauert einige Jahre, bis wir diesen Wahnsinn überstanden haben. Zwischen Wickeln, Jobwiedereinstieg, Arztkontrollterminen, Eingewöhnen im Kindergarten, Trotzphase und Abstillen ist der Gedanke an ein drittes Kind meist ganz weit weg.

Ehrlicherweise war das auch bei uns so. Jetzt aber, wo wir endlich alle durchschlafen, wo niemand mehr in Betten und Topfpflanzen und auf Teppiche pinkelt und wo endlich diese fürchterliche Phase vorbei ist, in der Kinder dazu neigen, überall hinunterzuspringen und dagegenzulaufen und sich damit in permanenter Todesgefahr befinden – jetzt sind wir Mitte 30. Und die Frage, die uns umtreibt, ist die nach einem weiteren Kind.

Fehlt uns noch die kleine Anna?

Warum eigentlich wollen wir das? Ich weiß es nicht so genau. Vielleicht, weil wir Kinder super finden, weil wir glauben, dass sich auch mit drei Kindern alles so wie bisher schon irgendwie ausgehen wird. (Was sich vermutlich als katastrophaler Irrglaube entpuppen würde.) Vielleicht ist es die Zeit, in der wir begreifen, dass wir Kinder nicht ewig bekommen können und unser Alter uns die biologische Uhr ticken hören lässt.

Vielleicht ist es der Wunsch, nach zwei Buben oder zwei Mädchen eine Tochter oder einen Sohn zu bekommen. Vielleicht ist es der Gedanke, dass man einmal noch die Erfahrung machen möchte, ein Kind zu bekommen – als eine Form von Abschluss, ganz bewusst erlebt und genossen.

Vielleicht drängen die älteren Geschwister darauf. Vielleicht fühlen wir uns nicht vollständig, weil uns in unseren Träumen immer wieder der kleine Sebastian begegnet oder die süße Anna mit uns am Tisch sitzt. Vielleicht ist uns im Job gerade langweilig oder wir mögen den neuen Chef nicht. Vielleicht waren unsere bisherigen Geburten für uns Mütter so traumatisch, dass wir fest daran glauben möchten, dass es die nächste Geburt nicht wird und wir es deshalb noch einmal wissen wollen.

Will ich das wirklich? Ja! Oder doch, nein!?

Die Reaktionen in meinem Umfeld sind gespalten. "Willst du das wirklich alles noch mal?", fragt mich eine Freundin und erinnert mich an die durchwachten Nächte und daran, wie sich mein damals dreizehn Monate altes Kind täglich todesmutig aus dem Hochstuhl stürzen wollte. Anschnallen war sinnlos, weil es schlau genug für den Öffnungsmechanismus war. Oder das dreijährige Geschwisterkind ging ihm hilfreich zur Hand, während ich wieder einmal schreiend vom Herd zum Tisch stürzte und es im letzten Moment auffing.

Kitt- oder doch eher Spaltkinder?

Der Mann und ich, wir denken gemeinsam nach, was ein weiteres Kind kostet, ob wir uns das leisten können, ob wir einen Betreuungsplatz finden, ob die Großeltern weiter aushelfen können und ob die Jobs, die wir jetzt haben, nach den Karenzen noch da sind. Ob wir uns auch weiter liebhaben werden, steht glücklicherweise nicht zur Debatte. Bei anderen Paaren ist es vielleicht auch das: Die dritten sogenannten Kittkinder haben sich in unserem Freundeskreis allzu oft nicht als Kitt, sondern als das genaue Gegenteil für ihre Eltern entpuppt.

Dann war ich letzte Woche bei meiner Freundin zu Besuch, die ein entzückendes fünf Monate altes Mädchen hat. Ich habe die Kleine im Arm gehalten und war mir in diesen Momenten so sicher: Ja, ich will das. Heute, nach einem unglaublich nervenaufreibenden Vormittag, sitze ich da und frage mich, wie ich auch nur eine Sekunde darüber nachdenken kann, weil ich es jetzt schon kaum schaffe.

Und morgen, morgen wird mich vermutlich ein Foto unseres Nachwuchses direkt nach der Geburt daran erinnern, wie schön alles war, und ich werde den Mann wieder drangsalieren. Der ist übrigens genauso unschlüssig wie ich in dieser Frage. Ehrlich: Ich weiß es nicht. Vielleicht, vielleicht ergibt sich für uns noch einmal ein Kind, vielleicht aber auch nicht. Egal, wie es kommt, es wird gut sein. (Sanna Weisz, 16.4.2017)

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    foto: getty images/istockphoto/brendaveldtman
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