"Dschamilja": Die Liebe in der Steppe

18. April 2017, 10:36
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Ulrich Matthes liest Tschingis Aitmatows bekanntestes Werk mit hier brüchig anmutender, dort klug akzentuierender Stimme

Tschingis Aitmatow (1928-2008) setzte Kirgisien im Alleingang auf die Weltliteraturkarte des zwanzigsten Jahrhunderts. Später wurde er Träger diverser sozialistischer Preise, Inbegriff der Perestroika und starb als Botschafter Kirgisiens. Dschamilja ist sein bekanntestes Werk, einst in der DDR Schullektüre. Wieso nicht auch hier? Denn diese Romanze, angesiedelt 1943 in einem kirgisischen Dorf, in der Djamilja im versehrten, verstockten Danijar die Musik entdeckt und sich und beider Liebe, mit der Tradition bricht und beide fliehen, ist Prüfstein: Wer an diese Prosa nicht sein Herz verliert, der hat keines.

Im Jahr 1958 erschien die Erzählung, Aitmatows Studentenabschlussarbeit, erstmals und wurde im Nu übersetzt. Ununterbrochen seit 1960 ist die deutsche Übersetzung lieferbar. Fast schöner als die eigene Lektüre ist es, Ulrich Matthes zuzuhören. Denn mit seiner fleckigen, hier brüchig anmutenden, dort klug akzentuierenden Stimme hört sich der Schauspieler in der neu aufgelegten Produktion von 2006 wie die Idealbesetzung an. (Alexander Kluy, Album, 18.4.2017)

  • Tschingis Aitmatow, "Dshamilja". € 11,30 / 134 min. Der Audio Verlag, Berlin 2017
    cover: der audio verlag

    Tschingis Aitmatow, "Dshamilja". € 11,30 / 134 min. Der Audio Verlag, Berlin 2017

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