Gesundheitsbericht: Psychische Erkrankungen nehmen zu

14. April 2017, 12:03
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Der Gesundheitsbericht Niederösterreich zeigt die Entwicklungen der Krankheitslast auf – Prävention soll in vielen Bereichen forciert werden

Die Lebenserwartung in Niederösterreich ist gestiegen – ebenso aber auch die Zahl psychischer Erkrankungen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist übergewichtig. Der Fokus gelte der Förderung eines gesunden Lebensstils, sagten Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Landesrat Maurice Androsch (SPÖ).

Das erhobene Datenmaterial sei Basis für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens im Bundesland, so Mikl-Leitner. 1.300 Allgemeinmediziner, 2.000 Fachärzte, 600 Zahnärzte, 28 Kliniken und Ambulanzen garantieren eine flächendeckende Versorgung. Die künftige Landeshauptfrau sprach Projekte wie etwa die Gesundheitszentren und eine Demenzstrategie an.

Vor allem müsse auch dem familiären Umfeld von Demenzkranken geholfen werden. Gesundheitsvorsorge wie mit der Initiative "Tut gut!" sei wichtig, plädierte Mikl-Leitner für mehr Bewegung in der Natur und gesunde Ernährung. Jeder Euro in der Prävention rechne sich, dem stünden vier Euro in der "Reparatur" gegenüber.

Demografische Entwicklung

Die Lebenserwartung erhöhte sich dem Bericht zufolge in den vergangenen zehn Jahren bei Männern um 2,2 Jahre auf 78,6, bei Frauen um 1,7 auf 83,4 Jahre. Dabei stiegen die "gesunden Lebensjahre" im Zeitraum von 25 Jahren bei Männern um 11,8 und bei Frauen um 10,6 Jahre auf derzeit 65,3 bzw. 66,3 Jahre an. Vier von fünf Niederösterreichern schätzen ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut ein.

Eine große Herausforderung stelle die Zunahme psychischer Erkrankungen dar. Etwa zehn Prozent bzw. 140.000 Menschen in Niederösterreich seien depressiv. Die Zahl der psychisch bedingten Krankenstände erhöhte sich von 2005 bis 2014 um 73 Prozent von 7.200 auf 12.400 Fälle, deren Dauer von durchschnittlich 32 auf 46 Tage. In Reaktion auf diesen Trend wurde laut Mikl-Leitner beim NÖGUS (NÖ Gesundheits- und Sozialfonds) die NÖ Psychiatrie-Koordinationsstelle eingerichtet.

Ungesund essen

Nur 29 Prozent der Bevölkerung essen täglich Obst oder Gemüse, fast ein Viertel hat Bluthochdruck, nur 24 Prozent bewegen sich ausreichend gesundheitswirksam. Vor allem auch junge Menschen seien zunehmend adipös, während sich andererseits 15-Jährige mit perfektem Body-Mass-Index oft als zu dick empfinden, merkte Androsch an.

537.000 Menschen im Bundesland weisen chronische Erkrankungen auf, beginnend mit Allergien und Rückenschmerzen über Arthrose, Diabetes und Asthma bis zur chronischen Bronchitis. Je höher die Bildung, desto höher sei auch die Gesundheitskompetenz. Erwerbstätige seien im Schnitt gesünder als Arbeitslose, so Androsch. Gesundheit sei auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. (APA, 14.4.2017)

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