Privatunis: Dr. med. um 132.000 Euro

20. April 2017, 09:00
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Private Medizinuniversitäten bauen ihr Angebot aus, neue Standorte entstehen. Kritiker zweifeln an der Qualität der Studien

"Noch ist da eine große Baugrube. Es wird aber bereits mit dem Betonieren begonnen", sagt Alfred Pritz, Rektor der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU) in Wien, über die Baustelle, auf die er von seinem Büro aus blickt. Ende 2018 soll es eröffnet werden, das neue Gebäude für die medizinische Fakultät im Prater. Es wird 10.500 Quadratmeter Nutzfläche umfassen, darin werden sich unter anderem ein Simulationszentrum und eine Zahnambulanz befinden. Die voraussichtlichen Kosten: 35 Millionen Euro.

Auch was das Studienangebot angeht, hat der Rektor Neuigkeiten zu verkünden: Kürzlich wurde ein Lehrstuhl für Psychosomatik eingerichtet – und man werde in Bälde eine Akkreditierung für ein Zahnmedizinstudium einreichen, sagt Pritz zum STANDARD.

Wer an der SFU Medizin studieren will, zahlt dafür 11.000 Euro pro Semester. 132.000 Euro sind es insgesamt bei Mindeststudiendauer. 384 Studierende leisten sich das derzeit. Pro Jahr gibt es aktuell 200 freie Plätze für Medizin, die Bewerberzahlen würden das Angebot diesmal bei Weitem übersteigen, prognostiziert Pritz.

Privatunis bauen aus

Während man an den öffentlichen Universitäten über überfüllte Hörsäle diskutiert und über finanzielle Engpässe jammert, scheinen die privaten aufzublühen. So bauen die anderen zwei privaten Medizinstandorte ebenfalls Infrastruktur und Angebot aus: Auf dem Campus Krems wurde im März ein neues Gebäude für die Karl-Landsteiner-Privatuni für Gesundheitswissenschaften eröffnet. Die Paracelsus Medizinische Privatuniversität in Salzburg startet im Herbst ein Pharmaziestudium. Die zehnsemestrige Ausbildung ergänzt die bisherigen Studien Humanmedizin und Pflegewissenschaft.

In einem Bericht ortet der Österreichische Wissenschaftsrat auch eine "erhebliche Gründungs-'Dynamik'" des Privatuniversitätssektors im Bereich der Medizin. Es gibt Pläne für eine Privatuni für Medizin in Baden bei Wien. In Tirol soll eine private "Medical School" entstehen.

Öffentlich gegen Privat

Die neuen Angebote rufen jedoch Kritiker auf den Plan. Einer der lautesten ist wohl Med-Uni-Wien-Rektor Markus Müller. Er zweifelt die Qualität der Ausbildungen an: Die Latte, um eine Akkreditierung zu erhalten, sei zu niedrig, sagt Müller. "Keinem Monopolisten passt es, Konkurrenz zu bekommen", erwidert SFU-Rektor Pritz.

Dass die Neugründungen eher "Kursanbieter" denn "Universitäten" seien, urteilt übrigens der Wissenschaftsrat – die Rede ist von "forschungsfreien Ausbildungsstätten".

Das will Pritz ebenfalls nicht gelten lassen: "Wir haben kürzlich unsere Forschungsleistung des letzten Jahres veröffentlicht, die ist erstaunlich gut. Wir haben 47 Publikationen alleine in der Medizin. Wir arbeiten fleißig an der Entwicklung." (Lisa Breit, 20.4.2017)

  • Sie könnten Österreich zu mehr Ärztinnen und Ärzten verhelfen, sagen die Privatunis. Jedoch gibt es Kritik an den privaten Anbietern: Zu lasch sei die Akkreditierung, zudem werde nicht ausreichend geforscht.
    foto: istock

    Sie könnten Österreich zu mehr Ärztinnen und Ärzten verhelfen, sagen die Privatunis. Jedoch gibt es Kritik an den privaten Anbietern: Zu lasch sei die Akkreditierung, zudem werde nicht ausreichend geforscht.

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