Kanadas Kiffer dürfen wohl bald aufatmen

14. April 2017, 06:17
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Regierung legte Gesetzesentwurf zur Legalisierung als Genussmittel vor – Trudeau will aber auch härtere Gangart gegen Missbrauch einlegen

Cannabiskonsumenten zwischen Halifax und Vancouver dürften bald aufatmen. Die kanadische Regierung hat am Donnerstag einen Gesetzesentwurf über die Legalisierung von Marihuana und Haschisch vorgelegt. Während die Freizeitnutzung der sogenannten weichen Droge ab 2018 erlaubt sein soll, sieht das liberale Kabinett von Justin Trudeau eine härtere Gangart gegenüber Missbrauch vor.

"Die Legalisierung soll den Zugang zu Cannabis regulieren und begrenzen und Kanada sicherer machen", sagte der liberale Abgeordnete Bill Blair. Die Prohibition, so der frühere Polizeichef, sei gescheitert. Bis zu 30 Gramm "Gras" oder "Hasch" sollen Erwachsene künftig besitzen dürfen, essbare Cannabisprodukte, etwa in Form von Keksen, sollen ebenfalls erlaubt sein. Auch die Eigenproduktion ist künftig legal – bis zu vier Pflanzen dürfen in Kanadas rauem Klima blühen. Vertriebsstellen, vergleichbar mit den "Dispensaries" in den grenznahen US-Bundesstaaten Washington und Oregon, sollen von den Provinzen lizensiert werden, der kommerzielle Anbau von den Bundesbehörden.

Härtere Gangart

Zugleich verschärft Kanada aber seine Gesetze, was den Missbrauch der Droge betrifft. Wer einem unter-18-Jährigen Cannabis verkauft, riskiert bis zu 14 Jahre Haft; wer Cannabis besitzt, das nicht aus den staatlich zertifizierten Quellen stammt oder mehr als 30 Gramm an legalem Cannabis mit sich führt, bis zu fünf Jahre. Wer sich trotz Legalisierung als Dealer betätigt, dem blühen ebenfalls noch härtere Strafen als bisher.

Mittels mobiler Speicheltests soll die Royal Canadian Mounted Police die Straßen des weiten Landes von "stoned drivers" freihalten. Ähnlich wie die Promillegrenze bei Alkoholkonsum soll eine – wissenschaftlich umstrittene – "THC-Grenze" für Ordnung sorgen. Zwischen zwei und fünf Nanogramm THC per Milliliter Blut kosten einen Autofahrer künftig 1.000 kanadische Dollar Strafe. Wer noch mehr THC intus hat, riskiert bis zu zehn Jahre Haft im Wiederholungsfall. Freilich geben die kanadischen Behörden unumwunden zu, dass nicht klar ist, wie viel THC eine Person konsumieren kann, um als beeinträchtigt zu gelten.

Pionier Uruguay

Bevor die Legalisierung in Kraft tritt, stehen Kanada wohl noch einige Monate heftigen Debattierens ins Haus. Die Provinzen, so die Bundesregierung in Ottawa, sollen die Zeit bis dahin nutzen, um sich auf den Aufbau eines Vertriebssystems vorzubereiten. Ende Juni 2018 soll es dann nach dem Willen der liberalen Regierungsmehrheit so weit sein. Das Gesetz ist eng an die Empfehlungen einer Expertenkommission angelehnt, die ihre Ergebnisse im Dezember vorgelegt hatte. Die Mehrheit der Kanadier unterstützt die Legalisierung von Cannabis. Kanada wäre dann nach Uruguay das zweite Land der westlichen Welt, in dem der Joint legal ist. (flon, 14.4.2017)

  • Hoch wie nie: Kanada sieht der Cannabislegalisierung gelassen entgegen.
    foto: afp photo / chris roussakis

    Hoch wie nie: Kanada sieht der Cannabislegalisierung gelassen entgegen.

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