USA werfen ihre größte nichtatomare Bombe in Afghanistan ab

14. April 2017, 17:38
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Erstmalige Verwendung in einem Kampfeinsatz – Einsatz gegen Tunnelsystem des IS – 36 IS-Kämpfer sind laut afghanischen Behörden ums Leben gekommen

Washington – Beim Einsatz der GBU-43-Bombe durch US-Streitkräfte in Afghanistan sind nach afghanischen Regierungsangaben mindestens 36 IS-Kämpfer getötet worden. Es habe keine zivilen Opfer gegeben, teilte das afghanische Verteidigungsministerium am Freitag mit.

Bei dem Angriff am Donnerstag sei eine wichtige Kommandozentrale der Jihadistenmiliz"Islamischer Staat" (IS) völlig zerstört worden. Es sei ein 300 Meter langer Tunnel vernichtet worden, hieß es weiter.

Die IS-Miliz bestreitet, dass hat durch den Abwurf der Bombe des US-MilitärsKämpfer ums Leben gekommen seien. Es habe weder Verletzte noch Tote gegeben, teilte die IS-nahe Propaganda-Agentur Amaq am Freitag in sozialen Netzwerken mit.

Die Bombe des Typs GBU-43 gilt als größter konventioneller Sprengkörper der US-Streitkräfte und wird inoffiziell als "Mutter aller Bomben" bezeichnet. Der etwa zehn Tonnen schwere Sprengsatz wurde erstmals 2003 getestet. Er wird vom Satellitensystem GPS zu seinem Ziel geführt und gilt als besonders effektiv, wenn weitverzweigte Ziele am Boden oder direkt unter der Erdoberfläche getroffen werden sollen.

Abwurf aus Frachtmaschine

Das Pentagon in Washington hatte den Abwurf der Bombe am Donnerstag bestätigt. Ein US-Transportflugzeug vom Typ C-130 hatte sie über dem Distrikt Achin der Provinz Nangarhar abgeworfen. Die Region gilt als Geburtsstätte des "Islamischen Staats" in Afghanistan.

Präsident Donald Trump lobte den Einsatz. "Wir sind sehr stolz auf unser Militär. Es war ein weiterer Erfolg", sagte er in Washington. Ob er den Einsatz persönlich genehmigt hatte, bestätigte er nicht. "Jeder weiß genau, was passiert. Also, ich autorisiere unser Militär. Wir haben ihnen volle Befugnis gegeben, und das ist, was sie machen." Der Sprecher des Weißen Hauses, Sean Spicer, wollte sich ebenfalls nicht dazu äußern, ob Trump den Abwurf persönlich angeordnet hatte.

Auf Fragen, ob der Einsatz der Bombe auch als Warnung an Nordkorea gedacht sei, antwortete Trump, dies mache keinen Unterschied. "Ich weiß nicht, ob das eine Botschaft sendet. Es ist auch egal, ob es das tut oder nicht. Nordkorea ist ein Problem. Das Problem wird gelöst werden."

Keine Informationen über zivile Opfer

"Ich habe noch nie im Leben einen solchen Knall gehört", sagte Malik Mohammed, ein Stammesältester in Achin, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Selbst sieben Kilometer von der Abwurfstelle entfernt sei noch Glas zerborsten. In der Nähe des IS-Höhlenkomplexes hätten sich kaum noch Zivilisten aufgehalten, berichteten andere Älteste. Afghanische Truppen hatten demnach am Donnerstagnachmittag noch verbliebene Anrainer weggebracht. Auch die Stammesältesten bestätigten, es gebe keine Informationen über zivile Opfer.

Der ehemalige afghanische Staatschef Hamid Karzai verurteilte den Angriff. Sein Land werde als Testgebiet für neue Waffen missbraucht, schrieb er auf Twitter.

Der Abwurf der Riesenbombe wurde auch als Warnung der USA an die viel größere Gruppe der radikalislamischen Taliban verstanden, deren Frühjahrsoffensive bevorsteht. Der Angriff sei in Zusammenarbeit mit den örtlichen Streitkräften erfolgt, hieß es in der Erklärung des afghanischen Verteidigungsministeriums weiter.

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Video vom Test einer GBU-43/b

Der Gouverneur von Achin, Esmail Shinwari, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Explosion durch die Bombe sei "die größte gewesen, die ich jemals gesehen habe". Riesige Flammen seien in der Gegend hochgeschlagen. Aus einer afghanischen Armeequelle verlautete, Bewohner hätten berichtet, der Boden habe beim Einschlag "wie bei einem Erdbeben" gezittert. Menschen seien ohnmächtig geworden.

Aus einer anderen afghanischen Militärquelle hieß es, vermutlich versteckten sich bis zu tausend IS-Kämpfer in der Gegend. Nach Angaben von Sicherheitsexperten hat die IS-Miliz ihre Verstecke in der Nähe der Häuser von Zivilisten angelegt.

Präsident Ghani lobt US-Angriff

Nach Darstellung der Regierung in Kabul sind jedoch tausende Familien bereits in den vergangenen Monaten vor den Kämpfen geflohen. "Es wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um zivile Opfer zu vermeiden", erklärte Präsident Ashraf Ghani im Kurzbotschaftendienst Twitter und stellte sich damit hinter den US-Bombenangriff.

Der Kommandant der US-Truppen in Afghanistan, John Nicholson, begründete den Einsatz der Mega-Bombe damit, dass die Jihadisten als Reaktion auf ihre zunehmenden Verluste zuletzt ihre Verteidigungsstellungen mit Sprengsätzen, Bunkern und Tunneln ausgebaut hätten.

Die GBU-43 wurde nach ihrer Entwicklung 2003 bisher nach US-Medienberichten noch nie bei tatsächlichen Kampfhandlungen eingesetzt. Ihre militärische Bedeutung ist umstritten, sie gilt wegen ihrer schieren Größe und der enormen Druckwelle vor allem als Mittel der psychologischen Kriegsführung. Nur Russland verfügt über eine noch größere Bombe.

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Am Freitag fand in Moskau eine internationale Afghanistan-Konferenz mit Staaten der Region statt. Ziel des Treffens war es, Gespräche zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in Gang zu bringen. Vertreter von NATO-Staaten oder der Vereinten Nationen waren nicht beteiligt.(APA/Reuters, 13.4.2017)

  • Archivaufnahme einer MOAB.
    foto: elgin air force base/handout via reuters

    Archivaufnahme einer MOAB.

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