Einzigartiges Rettungswesen bei Ameisen entdeckt

Video13. April 2017, 17:04
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Werden Matabele-Ameisen im Kampf verletzt, rufen sie mittels chemischer Signale um Hilfe – und werden von Artgenossen zurück ins Nest gebracht und versorgt

Würzburg – Afrikanischen Matabele-Ameisen (Megaponera analis) sind südlich der Sahara weit verbreitet und haben sich auf eine besondere Nahrung spezialisiert: Termiten. Zwei bis vier Mal am Tag gehen sie auf ihre Raubzüge. Dabei ziehen sie in langen Kolonnen aus, überfallen Termiten an ihren Futterstellen, töten dort viele Arbeiter und schleppen die Opfer zurück in ihr Nest.

Das läuft nicht ohne heftige Gegenwehr ab – die Soldaten der Termiten wissen ihre gepanzerten Köpfe und kräftigen Kiefer gut gegen die Ameisen einzusetzen. Das Verletzungsrisiko ist also hoch. Forscher der Universität Würzburg haben nun ein bislang bei Insekten unbekanntes Rettungssystem entdeckt: Verletzte Ameisen "rufen" um Hilfe und werden von Artgenossen gerettet.

guardian science and tech
Video eines Rettungseinsatzes.

Nützlicher Aufwand

"Erstmals haben wir damit bei wirbellosen Tieren ein Helferverhalten gegenüber Verletzten beobachtet", sagte Erik Frank, Erstautor der in "Science Advances" veröffentlichten Studie. Wie das Team um Frank herausfand, alarmieren im Kampf verletzte Ameisen ihre Mitstreiter, indem sie chemische Signalstoffe über ihre Mandibeldrüse absondert. Daraufhin werde eine Rettungskette in Gang gesetzt, damit die verletzte Ameise zurück ins Nest gebracht und dort versorgt werden kann. Die "Behandlung" besteht in erster Linie darin, festgebissene Termiten zu entfernen.

Gerade bei sozialen Insekten, bei denen das Individuum im Vergleich zur Kolonie nur wenig zählt, sei ein solches aufwendiges Verhalten nicht zu erwarten gewesen, sagte Frank. Doch die systematische Hilfe zahle sich in der Gesamtbilanz für die Kolonie aus, so der Forscher: Ohne Rettungsaktionen wäre die Ameisenkolonie um mehr als ein Viertel kleiner. (APA, red, 13.4.2017)

  • Rettungsaktion: Eine Matabele-Ameise trägt eine verletzte Artgenossin zurück ins Nest.
    foto: erik frank

    Rettungsaktion: Eine Matabele-Ameise trägt eine verletzte Artgenossin zurück ins Nest.

  • Hier wird hingegen Beute heimgeschleppt (zwei Termitensoldaten der Gattung Macrotermes).
    foto: erik frank

    Hier wird hingegen Beute heimgeschleppt (zwei Termitensoldaten der Gattung Macrotermes).

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