Studie: Keine Demokratie ohne Frauenrechte

18. April 2017, 09:00
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Untersuchung befasste sich mit dem Übergang zu Demokratie in 177 Ländern: Ohne Frauenrechte ist ein demokratischer Wandel unwahrscheinlich

Göteborg – Warum scheitern Bewegungen für demokratische Strukturen? Diese Frage stellten sich Forscherinnen und Forscher der Universitäten in Göteborg und Stockholm. Ergebnis ihrer Untersuchungen über die Bedingungen von Demokratisierungsprozessen lautet, dass Frauenrechte für die Schaffung demokratischer Strukturen von großer Bedeutung sind. Ohne die Gleichstellung von Frauen sowohl im politischen als auch im wirtschaftlichen Bereich sei keine volle Demokratie möglich. Dies zeige etwa das Beispiel des Arabischen Frühlings, wo die fehlenden Rechte von Frauen die Schaffung von demokratischen Verhältnissen maßgeblich gebremst hätten, heißt es einer Aussendung der Universität Göteborg über die Studie, an der auch ForscherInnen aus den USA und Taiwan mitgearbeitet haben und die im "European Journal of Political Research" veröffentlicht wurde.

"Die Existenz von Frauenrechten zeigen die Belastungen durch autoritäre Unterdrückungen stärker auf und ermöglichen Frauen Engagement in demokratischen Bewegungen. Ohne diese Grundrechte hat es kein Land zu vollständiger Demokratie geschafft", sagte Hauptautor Yi-Ting Wang laut Mitteilung der Universität Göteborg.

Entwicklungen seit 1900

"Dies gilt vor allem für die Länder des Arabischen Frühlings, wo das Versagen, Frauenrechte zu fördern, jeden Versuch einer demokratischen Regierungsführung in der Gegend beeinträchtigt hat", hieß es in einer Mitteilung der Universität.

Die Studie konnte zeigen, dass sich in der Vergangenheit in einem Land eine demokratische Verfassung dann durchsetzte, wenn BürgerInnenrechte auf Eigentum oder freie Rede für Frauen und Männern vorhanden waren. "Dieses Muster lässt sich in fast allen Fällen erfolgreicher Demokratisierungen ab 1900 in den 177 untersuchten Ländern beobachten", berichteten die ForscherInnen. Das einzige Land, das sich in dieser Hinsicht von anderen unterscheide, sei Tunesien, wo der erste Präsident des Landes, Habib Bourguiba, bereits einige Grundrechte für Frauen etablierte, als das Land in den 1950er-Jahren unabhängig wurde. Als einziges Land des Arabischen Frühlings habe Tunesien anschließend den Übergang zur Demokratie gemeistert. (red, 18.4.2017)

  • AktivistInnen erinnerten in Marokko im Februar 2016 an die Reformbewegungen während des Arabischen Frühlings.
    foto: afp / fadel senna

    AktivistInnen erinnerten in Marokko im Februar 2016 an die Reformbewegungen während des Arabischen Frühlings.

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