Darmkrebs: Doppelfunktion des EGFR-Biomarkers entdeckt

14. April 2017, 09:46
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Forscher der Med-Uni Wien haben herausgefunden, dass der EGFR-Rezeptor auf Tumorzellen auch auf Immunzellen aktiv ist – das könnte Therapien verändern

Die vermehrte Bildung von Rezeptoren für den sogenannten Epidermal Growth Factor (EGFR) an der Oberfläche von Tumorzellen fördert deren Wachstum und ist das Ziel von innovativen Therapien. Doch diese Rezeptoren haben offenbar auch einen Effekt auf eine Dickdarmkrebserkrankung, wenn sie auf Immunzellen vorkommen. Das geht aus Forschungen von Wiener Wissenschaftern hervor.

Um den EGFR zu hemmen, werden in der Darmkrebstherapie sogenannte Anti-EGFR-Antikörper zur Behandlung der Patienten eingesetzt. Aus unbekannten Gründen profitieren aber nicht alle Betroffenen von dieser Therapie. Das könnte daran liegen, dass EGFR bei Darmkrebs-Patienten nicht nur in Tumorzellen, sondern auch in den tumorumgebenden Immunzellen vorhanden ist. Das ist das Ergebnis einer in "Gastroenterology" veröffentlichten Studie eines Forschungsteams rund um Maria Sibilia vom Institut für Krebsforschung der Med-Uni Wien.

"Wir konnten im Mausmodell zeigen, dass EGFR-positive myeloische Zellen das Tumorwachstum ankurbeln. Durch Abschalten des EGFR in diesen Immunzellen wurde das Wachstum so gut wie gestoppt", wurde Sibilia, Leiterin des Instituts und stellvertretende Leiterin des Comprehensive Cancer Centers (CCC; MedUni Wien/AKH), zitiert.

Doppelfunktion ausloten

Die Forscher konnten auch zeigen, dass Darmkrebspatienten eine schlechtere Überlebensprognose haben, wenn solche EGFR-positiven myeloischen Zellen im Tumor vorhanden sind – und zwar auch, weil EGFR in den myeloischen Zellen einen erhöhten Ausstoß des Zytokins Interleukin-6 (IL6) bewirkt. Bisher war EGFR in den Tumor umgebenden Zellen (Stroma) nicht beachtet worden, weil man davon ausgegangen war, dass deren Expression nur in den Tumorzellen selbst eine Rolle spielt.

Das könnte wiederum erklären, warum bei manchen Betroffenen die auf den Tumor gerichtete EGFR-Therapie schlechter oder gar nicht anschlägt. Sibilia: "Es könnte sein, dass EGFR gar nicht im Tumor selbst wirkt, sondern dass hauptsächlich die EGFR-positiven myeloischen Zellen das 'Kraftwerk' des Tumors darstellen." Das soll nun in weiteren Studien überprüft werden. Das Kolonkarzinom ist eine der häufigsten Krebserkrankungen in den westlichen Industrienationen. In Österreich erkranken rund 4.500 Menschen jährlich an Darmkrebs.

Präzisere, personalisierte Krebstherapie

Diese Forschungsergebnisse könnten künftig eine bessere Spezifikation der Patienten erlauben, nämlich in jene Gruppe, bei der die Anti-EGFR-Therapie wirkt und in jene Gruppe, bei denen diese nicht oder kaum wirken wird. "Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Precision Medicine, also personalisierter Medizin", sagt Sibilia.

Damit fügen sich diese Forschungen auch gut in die Pläne der MedUni Wien, die auf dem MedUni Campus AKH ein "Zentrum für Präzisionsmedizin" (Center for Precision Medicine) errichten möchte, damit es künftig noch schneller und präziser möglich sein wird, Genanalysen bei verschiedensten Erkrankungen durchzuführen und noch rascher die richtigen präventiven Maßnahmen einzuleiten.

In diesem Fall könnte man einer Gruppe von Patienten damit auch die unangenehmen und unnötigen Nebenwirkungen der Anti-EGFR-Therapie wie zum Beispiel starke Hautentzündungen ersparen. (APA, 14.4.2017)

Originalpublikation:

EGFR in Tumor-associated Myeloid Cells Promotes Development of Colorectal Cancer in Mice and Associates With Outcomes of Patient

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