Deutsche Inflation im Rückwärtsgang

13. April 2017, 10:57
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Verbraucher müssten für Sprit und Nahrungsmittel im März tiefer in die Tasche greifen

Wiesbaden – Die Inflation in Deutschland ist erstmals seit rund einem Jahr wieder auf dem Rückzug. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Jahresteuerungsrate im März bei 1,6 Prozent. Die Wiesbadener Behörde bestätigte damit am Donnerstag vorläufige Daten.

Im Februar hatten höhere Energie- und Nahrungsmittelpreise die Rate noch auf 2,2 Prozent gemessen am Vorjahr getrieben. Zum letzten Mal waren die Verbraucherpreise im April 2016 gesunken – auf damals minus 0,1 Prozent.

Preisanstieg schwächt sich deutlich ab

Zwar mussten Verbraucher auch im März mehr für Energie (plus 5,1 Prozent) und Nahrungsmittel (plus 2,3 Prozent) zahlen als im Vorjahr. Vor allem leichtes Heizöl (plus 25,2 Prozent) und Sprit (plus 11,9 Prozent) wurden teurer. Allerdings schwächte sich der Preisanstieg deutlich ab, Gas war sogar billiger als im Jahr zuvor. Ohne Berücksichtigung der Energie hätte die Inflationsrate im März der Behörde zufolge bei 1,2 Prozent gelegen.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt: Weil Ostern in diesem Jahr anders als 2016 im April liegt, waren Pauschalreisen im März 7,1 Prozent günstiger als im Vorjahr.

Nach Einschätzung von Ökonomen dürfte die Jahresteuerungsrate tendenziell weiter sinken. Gegenüber dem Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im März um 0,2 Prozent.

Nach früheren Angaben der europäischen Statistikbehörde Eurostat lag auch die Inflation im Euroraum im März mit 1,5 Prozent unter dem EZB-Zielwert von knapp unter zwei Prozent, bei der die Notenbank Preisstabilität gewahrt sieht.

Weil die Währungshüter dieses Ziel seit Jahren verfehlen, versuchen sie mit viel billigem Geld nachzuhelfen. Diese Politik ist vor allem in Deutschland umstritten, auch weil sie Sparer belastet.

Zuletzt hatten Spekulationen die Runde gemacht, die Notenbank könnte noch vor Jahresende die Zinsen erhöhen. EZB-Chef Mario Draghi erteilte diesen jedoch jüngst eine Absage: "Eine Neubewertung unserer derzeitigen Geldpolitik ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht angemessen." (APA, 13.4.2017)

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