Buch gegen Internet: Online-Rezepte sind ungesünder

13. April 2017, 08:28
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Forscher haben tausende Rezepte aus Online-Portalen mit Rezepten aus populären Kochbüchern und von Fertiggericht-Verpackungen aus dem Supermarkt verglichen

Die wenigsten schauen heute noch in Kochbücher wenn sie ein Rezept suchen, vor allem wenn es schnell gehen muss. Das Internet ist die Quelle der Wahl geworden. Was das für die Gesundheit bedeutet, hat nun ein internationales Forscherteam mit Mitgliedern der Universitäten Regensburg, Wien und Northumbria untersucht.

Die Wissenschaftler haben zunächst die Ernährungsmerkmale der auf der beliebten Online-Rezeptplattform "Allrecipes.com" veröffentlichten Rezepte mit Rezepten aus den Kochbüchern von Jamie Oliver und den Rezepturen gängiger Fertiggerichte aus britischen Supermärkten verglichen. Zur Beurteilung des Gesundheitsfaktors eines Gerichtes wurden die von der Weltgesundheitsorganisation und der "UK Food Standards Agency" veröffentlichten Ernährungsrichtlinien herangezogen.

Ziel verfehlt

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Online-Rezepte im direkten Vergleich ungesünder sind als Rezepte aus populären Kochbüchern und auch ungesünder als die untersuchten Fertiggerichte. Nur sechs der insgesamt 5237 analysierten "Allrecipes.com-Rezepte" erfüllten die Empfehlungen der WHO für gesunde Ernährung vollständig. Die Empfehlungen für Nährwerte wie Fett, gesättigte Fettsäuren und Ballaststoffe wurden in den Onlinerezepten seltener eingehalten. Hinsichtlich des Zuckergehaltes – ein Kriterium das von Ernährungswissenschaftlern oft als Grund für Übergewichtig in unserer Gesellschaft genannt wird – konnten die Wissenschaftler keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Rezeptquellen feststellen.

Die Forscher untersuchten die Rezepte auch nach bestimmten Kategorien, wie etwa "Frühstück" oder "Nachspeisen". Sie stellten fest, dass bestimmte Kategorien, wie beispielsweise "Beilagen", signifikant gesünder sind als andere, etwa die Rezepte der Kategorie "Abendessen".

Zudem fanden sie in einer Befragung heraus, dass die Gesundheitsmerkmale eines Rezeptes von Internetnutzern nur schwer eingeschätzt werden können: "In über 90 Prozent der Fälle war es unseren 32 Probanden nicht möglich, korrekt festzustellen, in wie weit eine Kategorie in ‚Allrecipes.com‘ nun gesund oder ungesund ist", erklärt David Elsweiler, Professor für Informationslinguistik an der Universität Regensburg.

Besser bewertet

Nach einer umfangreichen Analyse, für die über eine Million Ratings und Bookmarks in "Allrecipes.com" ausgewertet wurden, kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass ungesunde Rezepte nicht nur deutlich besser bewertet werden als gesunde, sondern auch deutlich häufiger von den Benutzern kommentiert, gebookmarkt oder bewertet werden. Dieses Ergebnis habe weitreichende Konsequenzen, so die Forscher, bedenkt man, dass gängige Empfehlungsansätze, die mit Algorithmen arbeiten, darauf aufbauen, beliebte Gerichte zu empfehlen. Die Wissenschaftler vermuten daher, dass derzeit verbreitete Empfehlungssysteme ungesunde Rezepte empfehlen.

Das Forscherteam stellt in seiner Publikation daher eine neue Methode vor, mit der gesunde Rezepte besser bewertet werden können, ohne dabei die Präzision der Empfehlungen stark zu beeinflussen. Die Ergebnisse der Studie wurden auf der "World Wide Web Conference" am Anfang April in Perth vorgestellt und in der Zeitschrift "Frontiers in Public Health" publiziert. (idw, red, 13.4,2017)

  • Internet und soziale Medien wie Instagram und Facebook sind voll mit Rezepten. Im Vergleich mit Koch- und Backanleitungen aus Büchern und Verpackungen, schneiden diese jedoch weit schlechter ab.
    foto: ap

    Internet und soziale Medien wie Instagram und Facebook sind voll mit Rezepten. Im Vergleich mit Koch- und Backanleitungen aus Büchern und Verpackungen, schneiden diese jedoch weit schlechter ab.

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