Plagiatsaffäre Buchmann: Es rumpelt in der steirischen ÖVP

12. April 2017, 17:36
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Die Führung des ÖVP-Wirtschaftsbundes ruft nun zu einer Solidaritätsaktion für Landesrat und "Plagiator" Buchmann auf. Spitzenfunktionäre weigern sich zu unterzeichnen und fordern Konsequenzen

Graz – Eigentlich sollte ja alles wieder im Lot sein. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, seine gesamte ÖVP-Regierungsriege, der Grazer Bürgermeister und die Spitzen des ÖVP-Wirtschaftsbundes hatten sich – bevor sie sich in die Osterferien verabschiedeten – solidarisch hinter Christian Buchmann gestellt. Dass die Universität Graz dem ÖVP-Politiker den Doktortitel aberkannt hatte, weil dessen Dissertation grobe Mängel aufwies, sei zwar bedauerlich, aber – sinngemäß – eine 17 Jahre zurückliegende, verzeihliche "Schlamperei". Also kein Grund für einen Rücktritt.

Dennoch scheint die Plagiatsaffäre in der ÖVP jetzt erst richtig in Fahrt zu kommen. Die Führung des Wirtschaftsbundes ist sich der Sache doch nicht mehr so sicher und ruft nun per E-Mail-Aktion zu einer Solidaritätsaktion für Landesrat Buchmann auf, der auch als Obmann des Wirtschaftsbundes (WB) fungiert.

Rücktrittsforderung

"Wir stehen nicht zuletzt aufgrund seiner herausragenden Leistungen für unseren Wirtschaftsstandort voll hinter Landesgruppenobmann Christian Buchmann", heißt es in der Mail. Unterzeichnet haben den Aufruf unter anderen Wirtschaftskammerpräsident Josef Herk, etliche Wirtschaftsbund-Bezirksobleute und WB-Direktor Kurt Egger.

Während wichtige Vertreter der Industrie oder Banken fehlen, hat sich der Chef der mit 35.000 Mitgliedern größten WB-Sparte "Gewerbe und Handwerk", Hermann Talowski, demonstrativ geweigert, diese Solidaritätsadresse für Buchmann zu unterschreiben. Er hat dies per E-Mail auch den WB-Mitgliedern kundgetan und gleichzeitig mit einer Rücktrittsforderung verbunden:

"Es ist in meinen Augen nicht tragbar, eine bewusst begangene Unkorrektheit mit einer 'Schlamperei' oder einem ,handwerklichen Fehler' zu entschuldigen. Politikerinnen und Politiker sind in besonderem Maße gefordert, Transparenz und Ehrlichkeit zu vermitteln. Wenn dieses Vertrauen verlorengegangen ist, ist es an der Zeit, die notwendigen Konsequenzen zu ziehen."

"Krone" gegen "Kleine"

Buchmann habe eine "ehrenwörtliche Erklärung verfasst, die besagt, dass alles korrekt zitiert wurde". Talowski: "Und wir als Wirtschaftsbund halten dem entgegen, dass das ja alles nicht so schlimm ist? (...) Mir geht es um diesen moralischen Anspruch", ergänzt Talowski im STANDARD-Gespräch. "Zahlreiche andere" in der ÖVP und im Wirtschaftsbund seien ebenfalls dieser Meinung.

Die Plagiatsaffäre hat auch einen bizarren Konflikt zwischen den beiden steirischen Medien "Kleine Zeitung" und "Kronen Zeitung" ausgelöst. Die "Krone" steht engagiert hinter Buchmann und schimpft jetzt über das Konkurrenzblatt "Kleine Zeitung". Diese betreibe – so titelte die "Krone" – eine "mediale Hetze ohne Maß und Ziel". Die "Kleine Zeitung" agiere "scheinheilig" nach dem Motto "Ans Kreuz mit ihm". Die "Kleine" unterließ bisher eine Replik. (Walter Müller, 13.4.2017)

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