Highend-Gaming-PC von Hofer im Test: Kein Schnäppchen

Test13. April 2017, 09:05
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Der Diskonter hat mit dem Medion Erazer X4700 D einen 2.000-Euro-Rechner im Angebot – zu wenig fürs Geld

Vorgefertigte Gaming-Rechner haben nicht den besten Ruf. Veraltete Hardware und viel zu hohe Preise wird den PCs nachgesagt. Gleichzeitig bringen die Rechner gegenüber selbstgebauten Systemen allerdings ein Konsolen-Feeling mit sich: Auspacken, anstecken und spielen. Der heimische Diskonter Hofer hat mit dem Medion Erazer X4700 D nun einen vorgefertigten Spiele-Rechner im Angebot. Der Highend-PC wird zu einem stolzen Preis von 2.000 Euro verkauft. Der GameStandard konnte Hofers Gaming-Boliden eine Woche lang testen.

Kein guter Ersteindruck

Core i7-7700, 16 Gigabyte DDR4-RAM und eine GTX 1080 mit acht Gigabyte VRAM – auf den ersten Blick wirkt der Erazer X4700 D vielversprechend. Nach dem Auspacken, Anstecken und Erststart allerdings die Ernüchterung: Der PC dreht sich wiederholt nach einer Sekunde ab. Nach Überprüfung sämtlicher Kabel und Fortbestand des Problems blieb nur noch die Öffnung der Wartungsklappe übrig, um den Fehler zu finden. Tatsächlich hatte sich beim Transport oder bereits davor die Stromzufuhr zur Grafikkarte leicht gelöst, sodass diese nicht ordnungsgemäß funktionierte. Nach Behebung und erfolgreichem Start jedoch das nächste Ärgernis: Der Rechner gibt unregelmäßig Pieps-Geräusche von sich.

Wartungsklappe also erneut geöffnet, was bei dem Gehäuse einfach und schnell funktioniert, und abermalige Fehlersuche. In dem Fall war das DVD-Laufwerk der Übeltäter. Dieses gab ab und zu nervige Piepslaute von sich. Worauf das Problem hierbei zurückzuführen war, konnte nicht eruiert werden. Um den Test allerdings fortzuführen, wurde die Stromzufuhr gelöst, was dazu führte, dass die nervige Piepserei ein Ende nahm. Kein guter Ersteindruck für einen vorgefertigten Gaming-Rechner, bei dem der Käufer einen höheren Preis akzeptiert und dafür einen fixfertigen PC erwartet.

foto: screenshot/webstandard
Die verbaute Hardware im Überblick.

Im alltäglichen Betrieb

Nach ersten Problemen konnte der Rechner im täglichen Betrieb begeistern. Das System startet aufgrund der flotten CPU und der Intel-SSD blitzschnell, Wartezeiten beim Start von Programmen gibt es ebenso kaum. Windows 10 Home und sämtliche Treiber sind vorinstalliert. Medion erlaubt sich zudem, eine 30-Tage-Testversion der Antivirensoftware "McAfee", "Microsoft Office" ohne Lizenz, "Candy Crush", "March of Empires" und weitere Software zu installieren – diese kann aber jederzeit entfernt werden.

Im Einsatz fiel einzig die CPU-Kühlung negativ auf. Diese ist laut und aufgrund der geringen Gehäusedämmung durchwegs hörbar. Selbst nach eigenhändiger Nachjustierung im BIOS und mittels der Software SpeedFan gab es hierbei keine Besserung. Wer also auf der Suche nach einem lautlosen Rechner ist, sollte lieber Abstand vom Erazer X4700 D nehmen beziehungsweise eine bessere Kühlung verbauen. Wieso Medion beim stolzen Preis von 2.000 Euro beim CPU-Kühler spart, ist nicht ganz klar. Für 30 bis 50 Euro bekommt man hier deutlich leisere Hardware, die sogar besser kühlt.

Beim Gaming brilliert der Rechner

Beim Gaming überzeugt der Erazer X4700 D erwartungsgemäß. Getestet wurde mit einem Full-HD-Bildschirm mit einer potenziellen Bildwiederholungsrate von 144 Hz. Drei verschiedenen Games wurden ausprobiert, bei denen die maximale Grafikeinstellung ausgewählt wurde. Bei "The Witcher 3: Wild Hunt" konnten durchwegs 80 Bilder pro Sekunde erreicht werden. Die Temperatur der GPU kletterte nach wenigen Minuten auf 70 Grad Celsius, die CPU wurde nicht wärmer als 50 Grad. Bei "GTA 5" wurden beständige 70 Bilder pro Sekunde erreicht, bei einer GPU-Temperatur von 60 Grad. Die CPU wurde bei dem Open-World-Spiel nicht wärmer als 40 Grad.

Zuletzt wurde auch das CPU-lastige Game "Civilisation 6" getestet. Hier konnten andauernde 144 Bilder pro Sekunde bei ähnlichen Temperaturen wie bei "GTA V" erreicht werden. Selbst bei längeren Partien mit größeren Städten. Allerdings drehen die CPU- und Grafikkarten-Lüftung nach einer Weile ordentlich auf, was durchaus als störend empfunden werden kann. Insgesamt ist für Full-HD-Gaming die verbaute Hardware des Medion-Rechners mehr als ausreichend, und auch für 4K-Auflösungen mit gewiss niedrigeren Bildraten und Virtual Reality ist man gut gewappnet.

Sonstiges und Preisfrage

Etwaige Hardware für WLAN und Bluetooth sind bei dem Rechner übrigens nicht verbaut. Hier muss man auf Drittlösungen zurückgreifen. Tastatur und Maus finden sich dafür im Lieferumfang, somit braucht es einzig einen Bildschirm um losstarten zu können. Wenn der Speicherplatz übrigens nicht ausreicht, kann man bequem nachrüsten. Vier weitere Festplatten haben Platz im Gehäuse. Lob kann außerdem für das Kabelmanagement ausgesprochen werden, hier wurde sauber gearbeitet, wodurch eine gute Luftzirkulation möglich ist. Zwei 120-Millimeter-Lüfter mit blauer LED-Beleuchtung an Front und Rückseite des Gehäuses leisten anstandslos ihren Dienst.

Zuletzt bleibt somit die Preisfrage übrig. Medion setzt beim Erazer X4700 D auf eine Mischung aus aktueller und älterer Hardware. So wird etwa eine neue CPU mit einem älteren Kühler verwendet. Medion verbaut außerdem ein Netzteil aus dem Jahre 2009 und eine SSD aus 2017, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Rechnet man die verbaute Hardware großzügig mittels vergleichbaren aktuellen Produkten zusammen, kommt man auf einen Gesamtpreis von weniger als 1500 Euro. Dabei sind natürlich nicht die Arbeitsstunden für Zusammenbau und Installation miteinberechnet, die man prinzipiell selber erledigen kann.

Fazit

Medion liefert mit dem Erazer X4700 D einen leistungsstarken PC für einen viel zu hohen Preis. Einige Hardware-Entscheidungen sind zudem fragwürdig, wieso wurde etwa im Jahr 2017 ein optisches Laufwerk verbaut und gleichzeitig auf einen lauten Billig-Kühler zurückgegriffen? Wer somit ernsthaft überlegt, sich einen High-End-Gaming-Rechner zuzulegen, sollte lieber weniger Geld und mehr Zeit investieren. Einen PC selber zusammenzubauen ist kein Kunststück mehr, zudem hat man volle Entscheidung über die verbaute Hardware und zahlt schließlich auch deutlich weniger. (Daniel Koller, 13.04.2017)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Der Rechner wurde vom Hersteller für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

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Der Rechner direkt bei Hofer

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