United Airlines zu Gewalt gegen Fluggast: "Wird nie wieder passieren"

12. April 2017, 16:19
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Konzernchef Oscar Munoz: "Das kann und wird nie wieder passieren."

New York – Nach dem Skandal um das gewaltsame Vorgehen gegen einen Passagier hat die US-Fluggesellschaft United Airlines Konsequenzen angekündigt. Man werde bereits im Flugzeug sitzende Kunden nicht mehr mit Hilfe der Polizei wieder aus der Maschine holen, sagte Konzernchef Oscar Munoz am Mittwochabend im Sender ABC. "Das kann und wird nie wieder passieren." Die Angestellten hätten in dem Fall wegen eines "Systemversagens" nicht ihren gesunden Menschenverstand einsetzen können. Munoz bat den betroffenen Fluggast, dessen Familie und andere Kunden von United um Entschuldigung.

Der Vorfall in der überbuchten United-Maschine ereignete sich am Sonntag auf dem internationalen Großflughafen O'Hare in der Nähe von Chicago. Der Passagier sollte wie andere Kunden seinen Sitz für vier United-Angestellte freimachen. Schließlich wurde er vom Sicherheitspersonal aus seinem Sitz gerissen und durch die Maschine geschleift. Der Mann wurde seinem Anwalt zufolge auch am Dienstag noch in einem Krankenhaus behandelt.

Aktienkurs eingebrochen

Videoaufnahmen anderer Passagiere von dem Vorfall lösten weltweit Empörung aus. So gibt es gegen die drittgrößte US-Fluggesellschaft Boykottaufrufe. Der Aktienkurs brach am Dienstag um bis zu 4,4 Prozent ein. Munoz hatte sich bei dem betroffenen Passagier zunächst nicht entschuldigt.

In der Branche sind Überbuchungen an der Tagesordnung, weil es oft Passagiere gibt, die ihren Flug nicht antreten. Die Konzerne dürfen in solchen Fällen die Beförderung verweigern und zahlen eine Entschädigung. Nach einer offiziellen Statistik beträgt die durchschnittliche Summe bei United 559 Dollar. Dass Fluggesellschaften Passagiere zur Freigabe ihres Sitzplatzes zwingen, kommt insgesamt eher selten vor: Bei United betrifft dies im Schnitt 4,3 von 100.000 Passagieren.

Vorbereitungen für Klage

Die Anwälte des Betroffenen Passagiers ersuchten am Mittwoch ein Gericht im US-Bundesstaat Illinois, die Sicherung von relevanten Dokumenten und Überwachungsvideos anzuordnen. Dazu gehörten auch Passagierlisten und Tonaufnahmen aus dem Cockpit. (Reuters, APA, 12.4.2017)

  • Proteste gegen United Airlines am Flughafen O'Hare in der Nähe von Chicago.
    foto: afp/getty images/scott olson

    Proteste gegen United Airlines am Flughafen O'Hare in der Nähe von Chicago.

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