Erwin Pröll: Rache statt Recht

Kolumne12. April 2017, 16:21
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Erwin Pröll sucht nach Vergeltung

Endlich wissen wir, was Newton, Einstein und Heisenberg gemeinsam haben. Sie haben Fehler gemacht. Wir verdanken diese Erkenntnis Erwin Pröll, der bei einem ZiB 2-Interview Armin Wolf ermahnte: "Machen Sie nicht den Fehler, Dinge zu erklären, die nicht zu erklären sind."

Das Paradoxe an dieser Aussage ist, dass sie selbst völlig unerklärlich ist. Pröll bezog sie nämlich auf eine klare und sachlich vollkommen richtige Beschreibung Wolfs der Vorgänge und Versäumnisse rund um die "Erwin-Pröll-Privatstiftung". Der ZiB-Moderator konnte sich dabei auf mittlerweile allgemein bekannte Tatsachen berufen, die vom scheidenden Landeshauptmann trotzig als "Stumpfsinn" klassifiziert wurden. Das erinnerte an das Verhalten von Menschen, die unerwünschten, an der Haustür klopfenden Besuch mit dem Ausruf "Niemand zu Hause" von ihrer Abwesenheit zu überzeugen versuchen. Ein Verhalten, das zum rätselhaften Gesamteindruck passte, den Pröll bei diesem Gespräch hinterließ. Der Verlust von Contenance und Souveränität beschleunigte sich im Zuge einer Verteidigung der Bezeichnung "Landesfeind" für politisch Unbotmäßige und gipfelte in einer offenen Drohung mit beruflichen Konsequenzen für Wolf.

Doch wer darin nur einen spontanen, aber nicht dauerhaften Ausdruck einer nurmehr vom eigenen Haarkranz im Zaum gehaltenen Hitzköpfigkeit gesehen hatte, wurde bald aufs Neue überrascht. Zehn Tage später schäumte Pröll in einem News-Interview noch immer, dass "es notwendig sei, auch mit anderen demokratischen Möglichkeiten im ORF nach dem Rechten zu sehen".

Dass der Radlbrunner Rächer sich ausgerechnet im Gespräch mit dem Journalisten Hubert Wachter über "gelenkten Journalismus" beschwerte, ist zwar so, als hätte sich Walt Disney gegenüber Micky Maus über Zeichentrickfiguren beklagt, ändert aber nichts an der Ernsthaftigkeit des darin geäußerten Wunsches nach Vergeltung. Wie kommt es, dass der bisher vielleicht mächtigste Politiker Österreichs seine künftige Rolle als Elder Statesman bewusst in Richtung Spätpubertät anlegt? Gehört das etwa zu "Dingen, die nicht zu erklären sind"?

Wer den Fehler wagen will, es trotzdem zu versuchen, wird dabei im Burgenland fündig. Dort sehen sich Unterstützer der erfolgreichen Bürgerinitiative gegen den Glashausbau in Frauenkirchen gerade mit einem an Würdelosigkeit nicht zu übertreffenden persönlichen Rachefeldzug des Landeshauptmannes konfrontiert. Praktischen Nutzen hat Niessl davon keinen, es geht nur um seine Gekränktheit, weil er in einer für ihn wichtigen Sache nicht recht bekommen hat. Kann es sein, dass in Allmachtsfantasiewelten lebende Landeshauptleute generell mit solchen Situationen nicht umgehen können und deshalb in irrationale Vendetta-Träume flüchten? Oder geht es bei den Rachegelüsten gar um ganz was anderes, nämlich um Ablenkung? Was mit den öffentlichen Geldern in der "Erwin-Pröll-Stiftung" passiert, war dieser Tage in heimischen Medien ebenso selten Thema wie das Auffliegen eines 50-Millionen-Euro-Spekulationsskandals des Landes Burgenland. Vielleicht sollten hier noch ein paar Fehler à la Armin Wolf riskiert werden. (Florian Scheuba, 12.4.2017)

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