Anbox bringt Android-Apps auf den Linux-Desktop

12. April 2017, 14:11
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Laufen isoliert vom restlichen System – Erste Alpha als Snap-Paket für Ubuntu und Co.

War Android lange vor allem der mobilen Welt vorbehalten, hat sich Google zuletzt zunehmend dem Desktop geöffnet. So ist es mittlerweile auf einer Reihe aktueller Chromebooks möglich, Android-Apps auszuführen. Das müsste sich doch auch auf anderen Linux-Systemen umsetzen lassen, dachte sich Entwickler Simon Fels und schritt zur Tat.

Android in a box

Unter dem Namen Anbox gibt es nun eine neue Software, die den Betrieb von Android-Anwendungen am Linux-Desktop ermöglicht. In einem Video wird dabei demonstriert, wie gut das Ganze trotz des frühen Entwicklungsstatus bereits läuft. So lassen sich nicht nur Apps ausführen und mit der Maus benutzen, auch das freie Vergrößern und Verkleinern von Android-Fenstern geht problemlos. Dies bestätigt sich auch in einem kurzen Test des STANDARD, auch wenn die gebotene Performance zumindest innerhalb einer virtuellen Maschine – nicht ganz überraschend – noch zu wünschen übrig lässt.

Android 7.1.1

Auf der technischen Seite nutzt Anbox Linux Container, um die Android-Apps vom restlichen System zu isolieren, und so keine zusätzlichen Gefahren für das Basissystem aufzumachen. In diesem Container läuft ein vollständiges Android 7.1.1, wie es Google im Rahmen des Android Open Source Project öffentlich macht. Insofern sollten praktisch alle bestehenden Apps laufen, auch wenn diese natürlich unterschiedlich gut für die Benutzung mit Maus und Tastatur vorbereitet sind.

simon fels
Anbox unter Ubuntu

Ausgeliefert wird Anbox als Snap-Paket, die Entwickler nutzen also das neue Paketformat von Softwarehersteller Canonical. Insofern lässt sich das Ganze mit einem Kommandozeilenbefehl einfach unter Ubuntu aber auch anderen Systemen, die Snaps unterstützen, installieren.

Vorsicht

Die Entwickler betonen, dass es sich bei dem aktuellen Stand noch um eine frühe Alpha handelt, entsprechend also auch diverse Fehler und Abstürze zu erwarten sind. Dies bewahrheitete sich im Kurztest denn auch recht schnell. Der Play Store wird ebenfalls nicht mitgeliefert, wer diesen haben will, muss ihn also schon manuell installieren. Dies wird sich wohl auch fürs Erste nicht ändern, verlangt Google für den Play Store doch eine offizielle Zertifizierung, auf die sich die Anbox-Entwickler derzeit nicht einlassen wollen.

foto: andreas proschofsky / standard
Wer den Play Store unter Anbox nutzen will, muss ihn manuell installieren, von Haus aus werden nur wenige Apps mitgeliefert.

Hintergrund

Die technische Umsetzung ähnelt übrigens in vielerlei Hinsicht jener für Chrome OS, die ebenfalls Container und Linux Namespaces verwenden. Allerdings habe man im Gegensatz zu Google darauf verzichtet, Android einen direkten Zugriff auf die Hardware des Host-Systems zu geben. Dies würde zwar eine bessere Performance erlauben, erschwere aber auch die Portierung auf andere Systeme. Umgekehrt bedeutet dies, dass Anbox derzeit noch keinen eigenständigen Bluetooth- und WLAN-Support hat, an entsprechenden APIs für die Kommunikation zwischen Host und Container-System arbeite man aber derzeit, heißt es.

Open Source

Anbox ist freie Software, der Source Code steht auf Github bereit. Die meisten Teile stehen dabei unter der GPLv3, ein Teil wurde allerdings aus Gründen der Kompatibilität zum Android-Source-Code unter Apache 2.0 veröffentlicht. (Andreas Proschofsky, 12.4.2017)

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Anbox

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