Studie: Facebook macht uns traurig

12. April 2017, 15:14
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Mentales Wohlbefinden sinkt mit Interaktionsgrad – Offline-Treffen verbessern es hingegen

Mit weit über einer Milliarde Mitgliedern ist Facebook die wohl bedeutendste soziale Plattform im Internet. Seine hohe Verbreitung führt regelmäßig zu Debatten über den Einfluss des Netzwerks auf unser tägliches Leben – rege diskutiert wird etwa der Umgang mit Hasskommentaren oder die Verbreitung von Falschmeldungen.

Immer wieder untersucht wurden aber auch die Auswirkungen der Facebook-Nutzung auf die menschliche Psyche. 2014 führte das Unternehmen selbst ein umstrittenes, verdecktes Experiment durch und manipulierte die Nachrichtenfeeds ihrer User, in dem es den Anteil freudiger oder trauriger Nachrichten steigerte.

Dreijährige Untersuchung

Forscher der University of California haben nun untersucht, wie sich das "Facebooken" auf unsere körperliche und seelische Gesundheit auswirkt. Dazu erhoben sie von 5.000 erwachsenen Nutzern aus den USA über drei Jahre regelmäßig verschiedene Informationen.

Die Teilnehmer schätzten dabei ihren Glücklichkeits-Zustand selber ein. Über den Erhebungszeitraum stellten die Wissenschaftler fest, dass eine Steigerung von Facebook-Interaktionen ("Likes", Klicks auf Links und Status-Updates) um einen Prozent zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens um fünf bis acht Prozent führte.

Offline-Treffen helfen

Auch Offline-Interaktionen beobachteten die Forscher. Hier stellten sie eine entgegengesetzte Korrelation fest. Treffen mit Freunden führten zu mehr Wohlbefinden. "Die negativen Assoziationen von Facebook waren vergleichbar oder schwerer wiegend als der positive Einfluss von Offline-Interaktionen", heißt es in der Studie.

Dementsprechend könne es hier einen gewissen Kompensationseffekt zwischen Offline- und Online-Beziehungen geben. Ihre Erkenntnisse haben sie im American Journal of Epidemiology veröffentlicht.

Frühere Erkenntnisse

Es ist nicht die erste Untersuchung, die Zusammenhänge zwischen Facebook und der psychischen Gesundheit erforscht. 2015 fanden Wissenschaftler der University of Houston etwa Hinweise darauf, dass erhöhte Nutzung von Facebook depressive Symptome verstärken kann, berichtete Forbes.

Als Ursache identifizierte man die Neigung vieler Menschen, sich sozial ständig mit Freunden zu vergleichen, obwohl Facebook-Profile meist nur ein geschöntes Zerrbild des eigenen Lebens transportieren. (red, 12.04.2017)

  • Je mehr Facebook-Interaktionen die Probanden setzten, desto mehr verschlechterte sich ihr wahrgenommenes emotionales Wohlbefinden.
    foto: derstandard.at/pichler

    Je mehr Facebook-Interaktionen die Probanden setzten, desto mehr verschlechterte sich ihr wahrgenommenes emotionales Wohlbefinden.

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