Jared Kushner: Schatten-Außenminister und Trumps Beruhigungspille

12. April 2017, 15:23
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Der Schwiegersohn von Donald Trump ist ein maßgeblicher Berater des US-Präsidenten. Keinem hat Trump so viele Aufgaben übertragen wie ihm

In der Regierung Donald Trumps ist er das Mädchen für alles. Jared Kushner soll zwischen Israelis und Palästinensern vermitteln, das schwierige Verhältnis zu China und Mexiko regeln, den Beamtenapparat auf Effizienz trimmen, die medizinische Betreuung von Kriegsveteranen verbessern, die amerikanische Drogenepidemie bekämpfen und sich nebenbei eines noch zu schnürenden Milliardenpakets zur Modernisierung der maroden Infrastruktur annehmen.

Welche Rolle der 36-Jährige spielt, hat das Magazin "New York" bereits vor Wochen in schönster Zuspitzung deutlich gemacht. "President in-law" war auf dem Titelblatt zu lesen, was sich wörtlich schlecht übersetzen lässt und bedeutet, dass der Schwiegersohn eine Art Kopräsident ist. Dies seien arbeitsreiche Zeiten für Trump, witzelt Stephen Colbert, der mittlerweile populärste Fernsehsatiriker der USA. "Jeden Tag geht er zur Arbeit, krempelt die Ärmel hoch und verteilt neue Aufgaben – an Jared Kushner."

foto: ap
Jared Kushner, "President in-law".

Der flog neulich sogar nach Bagdad, um den Stabschef der Streitkräfte zu begleiten. Als die Administration nach dem Raketenschlag gegen Syrien ein Foto freigab, das Trump im Nobelclub Mar-a-Lago in der Runde seines nationalen Sicherheitsrats zeigte, sah man Kushner sehr zentral am Beratungstisch, in sehr souveräner Pose. Botschafter haben ihn als eine Art Schatten-Außenminister kennengelernt, und als Trump seinen Schwiegersohn zum Nahostvermittler ernannte, tat er es mit charakteristischem Hang zur Prahlerei. "Wenn es dir nicht gelingt, Frieden zu stiften, dann wird es keinem gelingen."

Des Präsidenten Beruhigungspille

Nun ist es nicht so, dass sich das Weiße Haus damit von Grund auf neu erfindet. Wer dort residiert, bringt oft Ratgeber mit, deren Urteil Trump einerseits blind vertraut und die ihm andererseits treu ergeben sind, auch wenn sie sich in der Hierarchie weder Stabschef noch Chefstratege nennen. Bei Barack Obama war es Valerie Jarrett, die bestens vernetzte Familienfreundin aus Chicago. John F. Kennedy machte seinen Bruder Robert zum Justizminister, was ihm den Vorwurf der Vetternwirtschaft eintrug, aber nichts daran änderte, dass Robert seine rechte Hand war, vor allem in brenzligen Phasen wie der Kubakrise des Jahres 1962.

Wenn nicht alles täuscht, ist Jared Kushner Trumps Valerie Jarrett, Trumps Robert Kennedy. Er habe seine Emotionen im Griff, während sein Schwiegervater Trump zu Wutausbrüchen neige, berichten Insider. Trump brauche ihn als eine Art Beruhigungspille. Gern wird auch gestreut, dass er politisch mäßigend wirkt, was sich mit Berichten aus unabhängiger Quelle schlecht nachprüfen lässt. Was Außenstehenden allerdings ins Auge fällt, sind die Kontraste. Trump liebt die große Show, Kushner ist zurückhaltend, ja medienscheu.

foto: ap/white house
Der nationale Sicherheitsrat berät über Syrien. Kushner mittendrin.

Dabei gibt es eine Schlüsselerfahrung, die beide – jenseits familiärer Bande – verbindet. So wie der junge Trump einst nach Manhattan strebte, heraus aus dem damals eher spießigen Brooklyn, wo sein Vater langweilige Mietshäuser baute, zog es auch den jungen Kushner auf die Wolkenkratzerinsel mit ihrem Glanz. 2007 kaufte er einen Büroturm an der Fifth Avenue, er wollte es seinem Vater beweisen, einem Baulöwen, der sich ein Geschäftsleben lang auf New Jersey konzentriert hatte, den Staat vor den Toren New Yorks, über den die Elite Manhattans nur herablassend lächelt.

Kushner senior hatte gerade eine Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung verbüßt, der Junior wollte einen Paukenschlag landen. 1,8 Milliarden Dollar zahlten sie für das Gebäude mit der Adresse 666 Fifth Avenue. Der Großteil des Geldes war geliehen, und zunächst sah es so aus, als hätten sie sich schwer verhoben. Kaum war das Geschäft abgeschlossen, platzte die Immobilienpreisblase: Um der Pleite zu entgehen, mussten die Kushners all ihre Mietshäuser verkaufen. Ein Gespür für den Markt bewies Jared jedenfalls nicht, weshalb es Branchenprofis gibt, die heute angestimmte Lobeshymnen auf das Unternehmergenie mit dem Jungengesicht für grotesk übertrieben halten.

Wahlkampf-Manager

Seit 2009 mit Ivanka Trump verheiratet, die für ihn zum jüdischen Glauben übertrat, war er bereits im Wahlkampf der eigentliche Manager hinter den Kulissen. Kushner, Absolvent der Eliteuniversität Harvard, feilte mit am Profil eines Bewerbers, der den Rächer der Abgehängten gab. Als der Vorwurf laut wurde, der schrille Kandidat schüre nicht nur populistische Wut, sondern auch antisemitische Ressentiments, nahm er ihn demonstrativ in Schutz. Er, der Enkel von Holocaust-Überlebenden, kenne einen ganz anderen, den wahren Donald Trump, schrieb er im "Observer", einer New Yorker Wochenzeitung, die er Jahre zuvor erworben hatte.

Stephen Colbert übrigens hat ihn unlängst mit feinster Satire auf die Schippe genommen. Trump setzte seinen Schwiegersohn an die Spitze eines neu geschaffenen "Amts für Amerikanische Innovation", Kushner kommentierte dies mit den üblichen Phrasen aus der Welt der Sanierer. Man wolle mit hoher Effizienz zu Ergebnissen kommen "für unsere Kunden, die unsere Bürger ja sind". Darauf Colbert: "Moment mal, wir sind keine Kunden, wir sind Bürger, was bedeutet: Uns gehört der Laden. Du arbeitest für uns, Kumpel!" (Frank Herrmann, 12.4.2017)

the late show with stephen colbert
"Late Night Show": Stephen Colbert witzelt über Jared Kushner.
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