Schutz gegen Entführung durch Außerirdische

    16. April 2017, 12:00
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    Versicherungen sind nicht immer so staubtrocken wie gedacht: Über sonderbar anmutende Polizzen oder außergewöhnliche Gerichtsprozesse

    Wien – Ob Christiano Ronaldos Beine oder Jennifer Lopez‘ Hinterteil – unter Stars und Sternchen sind millionenschwere Versicherungen diverser Körperteile gang und gäbe: Nicht immer erschließt sich dabei auf den ersten Blick, ob es sich um kaufmännische Vorsicht oder einen medialen Gag des PR-Beraters handelt. Etwa im Fall von Troy Polamalu: Der US-Footballspieler ließ sich auf eine Million Dollar versichern – weder Beine, noch Arme, sondern seine üppigst sprießende Haarpracht. Was als Werbeträger für Shampoos aber durchaus Sinn ergibt.

    Selbst Otto Normalverbraucher kann sich gegen ungewöhnliche Ereignisse versichern, die mehr oder weniger ernstzunehmende Schäden abdecken. Fast ein Klassiker sind Hochzeitsversicherungen. Sofern am schönsten Tag des Lebens wegen kalter Füße des vermeintlichen Ehepartners das Ja-Wort ausbleibt, fließen nicht nur Tränen, sondern auch Geld. Der Linzer Online-Versicherer L‘amie direkt hat eine Schlechtwetterversicherung für den Tag der Heirat im Programm. Im Jahr 2015 offerierte er eine Atomversicherung mit pauschaler Entschädigung, denn: "Im atomaren Katastrophenfall bleibt keine Zeit für langwierige Schadenermittlungen."

    Angeregt von einer besorgten Schwangeren mit Zwillingen hat sich der Deutsche Knut Eicke mit seiner 1985 gegründeten Sir Huckleberry Insurance Company auf ungewöhnliche Versicherungen spezialisiert, beginnend mit einer Zwillingspolizze. Eines der Highlights: Die Versicherung gegen Entführungen durch Außerirdische. Wer unbeschadet samt Beweismaterial auf den Boden der Realität zurückfindet, hätte Anspruch auf 5000 Euro. Weniger abgehoben war die Polizze gegen Kuckuckskinder – beliebt als Hochzeitsgeschenk. Autohändler legten Neuwagenkäufern gerne Benzinwucherpolizzen bei. Mähdrescher, Dampfwalzen und Panzer wurden aber nicht angenommen."

    Mein persönlicher Favorit war die Polizze gegen Dauererektion", erklärt Eicke. "Als ich sie bei der Finanzaufsicht zur Genehmigung vorlegte, brachen die graugekleideten Sitzungsteilnehmer in prustendes Gelächter aus." Die Versicherung sei sehr oft gebucht worden, da sie als Partygeschenk vielfältigste Reaktionen hervorgerufen habe. Aber 2009 musste der heute 75-Jährige das Handtuch werfen, da er nach der Finanzkrise die verschärften finanziellen und administrativen EU-Auflagen nicht mehr erfüllen konnte. "Damit war die Zeit für kleine Versicherer ausgelaufen."

    Bis 21. Dezember 2012 oft angeboten, seither aber aus der Mode gekommen sind Weltuntergangsversicherungen. Wer den Reibach damals optimieren wollte, setzte zusätzlich in Wettbüros darauf, dass mit dem Ende des Maya-Kalenders auch sämtliches intelligentes Leben auf Erden erlischt. Und in San Diego soll ein Zigarrenliebhaber seine Schätze gegen Feuer versichert haben. Als er sie geraucht hatte, forderte er Schadenersatz, schließlich waren sie verbrannt. Den von der Assekuranz angestrengten Prozess gewann er zwar, wurde danach aber wegen Brandstiftung angezeigt. (Alexander Hahn, 16.4.2017)

    Briefe an Versicherungen

    Über kuriose Anfragen und Schadensmeldungen von Kunden an eine Versicherung in Hamburg berichtete vor Jahren die Bild-Zeitung. Die Höhepunkte:

    • Ewiges Leben "Ich bin in eine Sekte eingetreten. Jetzt weiß ich, dass ich ewig leben werde, und kündige daher meine Lebensversicherung."
    • Kopfzerbrechen "Zunächst sagte ich der Polizei, ich sei nicht verletzt, aber als ich den Hut abnahm, bemerkte ich den Schädelbruch."
    • Flüchtiger Bekannter "Vom Fahrer des gegnerischen Fahrzeuges ist nur sein männliches Geschlecht bekannt."
    • Bruchpilot "Da Frau G. zu sehr an der Bordkante stand, streifte ihr Hinterteil meine Fahnenstange und brach ab."
    • Teilgeständnis "Ich kann nicht schlafen, weil ich Ihre Versicherung betrogen habe. Darum schicke ich Ihnen anonym 500 Mark. Wenn ich dann immer noch nicht schlafen kann, schicke ich Ihnen den Rest."
    • Auf eine Million Dollar hat der US-Footballspieler Troy Polamalu, fleischgewordener Schrecken aller Frisöre, seine üppige Haarpracht als Werbefigur eines Shampoos versichern lassen.
      foto: epa/ho

      Auf eine Million Dollar hat der US-Footballspieler Troy Polamalu, fleischgewordener Schrecken aller Frisöre, seine üppige Haarpracht als Werbefigur eines Shampoos versichern lassen.

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