Drei neue Spezies südamerikanischer Beuteltiere entdeckt

    12. April 2017, 12:28
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    Funde stammen aus einer Zeit, als es auf dem Kontinent noch eine artenreiche Beuteltierfauna gab

    illustration: russell engelman/russell hawley
    Acdestis maddeni, ein rattengroßer Vertreter der südamerikanischen Beuteltierfauna vor 13 Millionen Jahren, hatte Zähne, die gut zum Zermalmen geeignet waren.

    Cleveland – Beuteltiere waren einst eine echte Alternative zu den heute vorherrschenden Plazentatieren: Sie besiedelten, vermutlich ausgehend von Nordamerika, alle Kontinente. Im Verlauf der Erdneuzeit verschwanden sie jedoch aus den meisten Regionen – ob sie einfach von ihren beutellosen Verwandten auskonkurrenziert wurden oder auch andere Faktoren im Spiel waren, ist noch nicht restlos geklärt.

    Nur auf lange Zeit isolierten Landmassen konnten sie sich halten: In Australien inklusive der Inselwelt von Neuguinea und in Südamerika. Als sich dieses vor etwa drei Millionen Jahren wieder mit Nordamerika verband, gelang es sogar einigen Beuteltieren, den Norden neu zu besiedeln: Opossums kommen heute bis ins südliche Kanada vor.

    Neue Funde

    Forscher der Case Western Reserve University in Cleveland berichten nun von der Entdeckung von mindestens drei zuvor unbekannten Beuteltierarten. Sie gehörten zur Familie der Palaeothentidae und lebten vor etwa 13 Millionen Jahren in Südamerika, als es dort noch eine große Zahl unterschiedlicher Beuteltiere gab – sogar Räuber in den Ausmaßen von Großkatzen.

    Die neuentdeckten Spezies Palaeothentes serratus, Palaeothentes relictus und Chimeralestes ambiguus, deren Fossilien zusammen mit denen der schon länger bekannten Art Acdestis maddeni in Bolivien gefunden wurden, waren mäuse- bis rattengroß. Die engsten heute noch lebenden Verwandten dieser Tiere sind die Mausopossums aus den Anden, die äußerlich Spitzmäusen ähneln und – Schwanz nicht miteingerechnet – etwa zehn Zentimeter lang werden.

    Aus unbekannten Gründen verschwunden

    Unterschiede in der Bezahnung zeigen, dass sich die ausgestorbenen Beutler jeweils unterschiedlich ernährten. Eine Spezies dürfte ein reiner Insektenfresser gewesen sein. Bei den anderen hingegen deutet alles auf eine gemischte Kost – mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten – hin.

    Dass es sich also um relativ flexible Tiere gehandelt haben dürfte, wirft die Frage auf, warum sie bald darauf ausstarben: Laut dem bisherigen Fossilienbefund verschwanden all diese Arten nämlich abrupt vor 12 Millionen Jahren. Nur der Zweig, der zu den heutigen Mausopossums führte, blieb übrig. (red, 12. 4. 2017)

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