Knapper Sieg als böses Omen für die Republikaner

12. April 2017, 11:26
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Bei einer Nachwahl in einem Kongressbezirk in Kansas, gewannen die Republikaner nur knapp

Normalerweise steht der vierte Kongressbezirk von Kansas nicht im Fokus US-amerikanischer Bundespolitik. Das war am Dienstag allerdings anders. Ron Estes, der bei der Nachwahl für die Republikaner angetreten war, musste um den Einzug ins US-Abgeordnetenhaus bangen.

In den vergangenen Wochen brachten sich republikanische Politgrößen in den Wahlkampf ein, um einen Sieg des kandidierenden Demokraten, James Thompson, in dem traditionell republikanischen Bundesstaat zu verhindern. Nachdem Umfragen gezeigt haben, dass sich Thompson ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Estes liefert, bat Paul Ryan, Vorsitzender des Repräsentantenhauses, um Spenden für den Wahlkampf seines Parteifreundes. Der republikanische Expräsidentschaftskandidat Ted Cruz hatte Wahlkampfauftritte, und Vizepräsident Mike Pence wandte sich via automatische Telefonanrufe an Wähler, um Estes' Wahlsieg zu sichern.

Unpopulärer Gouverneur, unpopulärer Präsident

foto: fernando salazar/the wichita eagle via ap
Ron Estes gewann die Wahl für die Republikaner.

All die Anstrengungen blieben nicht umsonst: Estes gewann die Wahl mit 53 Prozent der Stimmen, Thompson erhielt nur 46 Prozent der Stimmen.

Die Demokraten feiern den Verlust, als wäre es ein Sieg. Es ist das erste Mal seit geraumer Zeit, dass es der gesellschaftsliberalen Partei gelang, einen Republikaner in einem konservativen Staat unter Druck zu bringen.

foto: travis heying/the wichita eagle via ap
James Thompson umarmt nach verlorener Wahl einen Unterstützer.

Das ist einerseits dem amtierenden republikanischen Gouverneur, Sam Brownback, zu verdanken. Er trug lange Zeit den Titel des unbeliebtesten Gouverneurs Amerikas. Andererseits – und das besorgt die Republikaner mehr – hat die umstrittene Präsidentschaft von Donald Trump die Parteibasis der gegnerischen Demokraten so in Aufregung versetzt und mobilisiert, dass plötzlich das Undenkbare möglich erscheint: Abgeordnetensitze, die als fest in republikanischer Hand galten, sind für die Demokraten erstmals in Reichweite. In den letzten Umfragen vor dem Luftschlag gegen Syrien hatte der amtierende US-Präsident nur noch eine Zustimmung von 36 Prozent – ein historisches Tief für ein frischgewähltes US-Staatsoberhaupt.

Für 2018 ist die knapp gewonnene Wahl kein gutes Zeichen für die Republikaner. Dann werden nämlich alle 435 Sitze des US-Repräsentantenhauses so wie 33 Senatssitze neu gewählt.

foto: imago/upi photo
Unpopulärer Präsident: Donald Trump.

Dass in Kansas am Dienstag überhaupt eine Nachwahl stattgefunden hat, ist übrigens auch die Schuld von Trump. Zuvor saß auf dem Kongresssitz Mike Pompeo. Den holte Trump allerdings als CIA-Chef in seine Regierung. (stb, 12.4.2017)

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