Starkbier: "Flüssiges Brot"

Kolumne13. April 2017, 21:00
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Fastenzeit ist Starkbierzeit. Eine österliche Empfehlung von verrückten Brauern in Belgien

Allzu ernst werden Fastengebote ja nicht mehr genommen, eine Regel ist bei Bierfreunden aber immer beliebt: Flüssiges bricht das Fasten nicht. In Zeiten, da man weniger bis gar nichts isst – der Karfreitag galt ja als strenger Fasttag –, war Bier als "flüssiges Brot" eine willkommene Nahrungsergänzung.

In Österreich wird das – anders als in Bayern, wo die vorösterliche "fünfte Jahreszeit" gefeiert wird – von den Brauern nicht mehr so oft zum Angebot von Starkbieren genutzt. Dafür sind in Belgien und den Niederlanden in den vergangenen Jahren viele Brauer zu der alten Sitte zurückgekehrt, ein Lentebier in Bockbierstärke anzubieten.

Großzügige Hopfengaben

Es handelt sich durchwegs um obergärige, helle und sehr gut gehopfte Biere – auch Marktführer AB-Inbev lässt sich da nicht lumpen und verwendet im "Leffe" großzügige Hopfengaben. Die kleine Brauerei von De Dolle Brouwers (wörtlich: "die verrückten Brauer"), die mit dem "Stille Nacht" ein wegen seines Reifungspotenzials legendäres Weihnachtsbier hat, verwöhnt ihre Kunden zu Ostern mit dem "Boskeun" ("Waldkaninchen"), einem erfrischend fruchtig duftenden, 10,5 Prozent starken Ale.

In der Nase und im Trunk wird man an Pfirsiche, Orangen und Honig erinnert. Das Mundgefühl lässt leicht vergessen, wie stark das Bier ist, denn es trinkt sich leicht und spritzig mit der erwähnten Hopfenbittere im Nachtrunk. (Conrad Seidl, RONDO, 14.4.2017)

  • Österliches Starkbier "Waldkaninchen".
    foto: conrad seidl

    Österliches Starkbier "Waldkaninchen".

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