Vulkanausbrüche löschten Pinguinkolonie mehrmals fast komplett aus

11. April 2017, 19:58
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Auf Ardley Island in der Subantarktis brüten seit mehr als 8000 Jahren Pinguine. Forscher fanden in Guanosedimenten Spuren dramatischer Ereignisse

Cambridge/Wien – Ardley Island ist gerade einmal etwas größer als einen Quadratkilometer, ist streng genommen gar kein Eiland, sondern eine Halbinsel und gehört zu den Südlichen Shetlandinseln. Die liegen nicht vor Schottland, sondern wirklich sehr weit im Süden, in der Subantarktis.

Für Forscher – und zumal für Ökologen – ist die Halbinsel freilich hochspannend, da Ardley Island die streng geschützte Heimat von etlichen seltenen Tierarten ist, darunter drei miteinander verwandten Pinguinarten, die dort Brutkolonien haben. Doch nicht nur das: Die Halbinsel war, wie ein internationales Zoologenteam nun herausfand, in den letzten 7000 Jahren der Schauplatz von zumindest drei großen Pinguintragödien, die nun auf erstaunliche Weise rekonstruiert werden konnten.

Volatile Pinguinbestände

Dabei hatten Stephen Roberts (Natural Environment Research Council in Cambridge) und seine Kollegen aus Deutschland und Polen ursprünglich etwas ganz anderes im Sinn: In den vergangenen 20 Jahren haben sich die Populationen der dort brütenden Adelie-, Esels-, und Zügelpinguine nämlich sehr unterschiedlich entwickelt.

foto: stephen roberts
Brütende Eselpinguine auf Ardley Island. Ihre Population blieb zuletzt einigermaßen konstant.

Während die größte Population, die von den Eselspinguinen gebildet wird, mit bis zu 6000 Paaren in den letzten 20 Jahren annähernd gleich blieb, ging der Bestand der Adeliepinguine im gleichen Zeitraum von 1500 brütenden Pärchen auf 260 zurück, jener der Zügelpinguine von 200 auf 15 Brutpaare.

Doch was führte zu der widersprüchlichen Entwicklung? War der Bau eines kleinen Flughafens auf der benachbarten Fildes-Halbinsel daran schuld? Oder lag es doch an der globalen Klimaerwärmung und dem schwindenden Meereis?

Rückschlüsse aus der Geschichte

Roberts und seine Kollegen versuchten, aus der Geschichte auf die Gegenwart zu schließen, und analysierten deshalb die Guanosedimente, die sich in einem See auf der Halbinsel abgelagert hatten. Aus biochemischen Spuren im Pinguinkot erhofften sie sich Aufschlüsse darüber, wie sich die Populationen in den vergangenen Jahrtausenden entwickelt hatten.

Die Signaturen der Guanobohrkerne erzählten dann aber eine ganz andere und viel dramatischere Geschichte, die für die Forscher völlig überraschend kam. Wie sie im Fachblatt "Nature Communications" berichten, wurde die Insel seit rund 8500 Jahren von Pinguinen besiedelt, die ersten stabilen Populationen entstanden vor 6700 Jahren und hatten ihre dichteste Besiedlung vor etwas mehr als 3000 Jahren.

foto: stephen roberts und emma pearson
Die Guanobohrkerne, die auf zumindest drei Pinguinkatastrophen hindeuten.

Dramatische Auslöschungen

Die sich ändernden Temperaturen hatten dabei kaum Einfluss auf die Population insbesondere der Eselspinguine genommen. Stattdessen stießen sie auf die Spuren von zumindest drei Ausbrüchen eines Vulkans auf der nahegelegenen Deception Island.

Die Eruptionen ließen auf Ardley Island heiße Ascheregen niedergehen und führten mindestens dreimal zur fast vollständigen Auslöschung der dort ansässigen Pinguinkolonien. Zwar konnten sich die erwachsenen Tiere vermutlich ins Wasser retten, doch der Nachwuchs ging auf erbärmliche Weise zugrunde.

Die Folgen für die Population waren fatal, wie die konservierten Spuren im Guano zeigten: Bis sich die Kolonien wieder vollständig erholt hatten, vergingen jeweils mindestens 400 bis 800 Jahre. (tasch, 11.4.2017)

  • Ein Eselspinguin erklimmt einen Hügel auf Ardley Island. Anhand von Guanosedimenten fanden Forscher nun heraus, dass drei Vulkanausbrüche die Pinguinpopulationen dreimal fast vollständig auslöschten.
    stephen roberts

    Ein Eselspinguin erklimmt einen Hügel auf Ardley Island. Anhand von Guanosedimenten fanden Forscher nun heraus, dass drei Vulkanausbrüche die Pinguinpopulationen dreimal fast vollständig auslöschten.

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