Putin beschuldigt Assad-Gegner, "Fake-Giftgasangriffe" in Syrien zu planen

11. April 2017, 16:00
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Russischer Staatschef sagt, Washington wolle damit neue Luftschläge in Syrien rechtfertigen

Moskau/Rom – Russlands Staatspräsident Wladimir Putin hat den Gegnern von Bashar al-Assad vorgeworfen, in Syrien "gefälschte" Giftgasangriffe der syrischen Regierung gegen die Zivilbevölkerung vorzubereiten, um damit neue Luftschläge gegen das Regime zu rechtfertigen. Nur Stunden vor dem geplanten Besuch des US-Außenministers Rex Tillerson in Moskau sagte Putin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem italienischen Präsidenten Sergio Mattarella, seine Geheimdienste hätten entsprechende Informationen erhalten.

"Wir haben Berichte, wonach eine ähnliche Provokation in weiteren Teilen Syriens geplant ist, auch in den südlichen Vororten von Damaskus", sagte Putin unter Verweis auf den Vorfall in der vergangenen Woche, bei dem in der Stadt Khan Sheikhoun mindestens 70 Menschen an Atembeschwerden gestorben waren – laut Angaben der türkischen Regierung, die einige Todesopfer obduzieren ließ, am Giftgas Sarin. Westliche Regierungen machen dafür einen Giftgasangriff des Regimes von Bashar al-Assad verantwortlich. Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hatte in Reaktion darauf in der Nacht auf Freitag eine Luftwaffenbasis in Syrien mit Raketen beschossen.

Scharfe US-Reaktion

Die russische Regierung bestreitet, dass es einen Giftgasangriff gegeben hat. Sie behauptete bisher, bei Luftschlägen gegen Rebellen sei deren Chemiewaffenlabor getroffen worden. Dabei sei die giftige Substanz freigesetzt worden. Beweise für seine neue Version, wonach es sich um eine gezielte Provokation gehandelt habe, lieferte Putin nicht.

Die US-Regierung hat im Gegenzug Russland beschuldigt, die Hintergründe des mutmaßlichen Giftgaseinsatzes in Syrien verschleiern zu wollen. Moskau verbreite gezielt Desinformationen, um den Angriff zu vertuschen, sagte ein Regierungsvertreter, der nicht namentlich zitiert werden wollte, am Dienstag in Washington.

Er forderte den Kreml dazu auf, das zu stoppen. Man untersuche weiterhin, ob Russland vorab von dem Vorfall wusste. (red, Reuters, 11.4.2017)

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