Als die Stachelschweine aus Sibirien verschwanden

15. April 2017, 11:00
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Die großen Nager waren während einer Wärmephase im Eiszeitalter erstaunlich weit Richtung Norden vorgedrungen

Tomsk – Dass man heute bei einem Urlaub in der Toskana gelegentlich einem Stachelschwein über den Weg laufen kann, könnte auf ein Eingreifen des Menschen irgendwann in der Vergangenheit zurückgehen: Ob Südeuropa zum natürlichen Verbreitungsgebiet der großen Nagetiere gehört, weiß man nämlich nicht. Sie sind aber auf jeden Fall mit mehreren Arten in weiten Teilen Afrikas, Südasiens und Südostasiens zuhause.

Das sind alles Regionen mit tropischem oder subtropischem Klima. Kälte dürfte den Tieren nicht behagen. Das zeigt auch ihr Verschwinden aus Gebieten, die sie bis vor 30.000 oder 40.000 Jahren noch besiedelt hatten. Damals hatten nämlich auch der Ural im Osten des europäischen Teils von Russland und das Altaigebirge zu ihrem Verbreitungsgebiet gehört – also die Ränder Sibiriens.

foto: yaroslav kuzmin
Mehr als solche kleinen Knochenstücke ist von den Stachelschweinen Sibiriens nicht geblieben.

Ein Team russischer und US-amerikanischer Forscher untersuchte die seltenen Funde von Stachelschweinknochen und -zähnen aus verschiedenen Gebirgshöhlen in Ural und Altai. Diese Entdeckungen gehen bis in die 1980er Jahre zurück, eine Altersanalyse wurde bis dato jedoch nie durchgeführt.

Mittels Beschleuniger-Massenspektrometrie konnte das Team um Yaroslav Kuzmin die Untersuchung der jeweils nur wenige Zentimeter großen Fragmente nun nachholen. Diese ergab, dass die Funde im Ural über 40.000 Jahre alt sind, die anderen zwischen 40.000 und 30.000 Jahre.

Daraus lässt sich folgern, dass sich Stachelscheine im Eiszeitalter während eines sogenannten Interstadials, also einer Wärmephase zwischen zwei Vorstößen der Vergletscherung, erstaunlich weit nach Norden ausgebreitet hatten. Als sich dieses Interstadial vor etwa 27.000 Jahren dem Ende zuneigte, nahmen Temperaturen und Niederschläge in den betroffenen Regionen ab. Die Wälder zogen sich zurück und mit ihnen verschwanden auch die wärmeliebenden Stachelschweine. (red, 15. 4. 2017)

  • Das charakteristische Stachelkleid mag eine wirksame Verteidigungswaffe sein – warm hält es aber offenbar nicht.
    foto: apa/epa/georgios kefalas

    Das charakteristische Stachelkleid mag eine wirksame Verteidigungswaffe sein – warm hält es aber offenbar nicht.

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