Achtung: Faulheit könnte ansteckend sein

17. April 2017, 13:00
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Französische Psychologen stellten fest, dass einige vermeintlich tief verankerte Persönlichkeitszüge durchaus im Fluss sind

foto: ap photo/elizabeth dalziel
Garfield ist bekanntlich "fett, faul und filosofisch" ... und damit womöglich auch noch ein "Forbild".

Paris – Einige Eigenschaften, die tendenziell als kaum veränderbare Persönlichkeitsmerkmale betrachtet werden, könnten stärker als gedacht von unserem Umfeld abhängig sein – und damit bei Bedarf auch regulierbar. Zu diesem Befund kommen Psychologen des französischen Institut national de la santé et de la recherche médicale (INSERM) im Fachmagazin "PLOS Computational Biology".

Jean Daunizeau und Marie Devaine gingen Eigenschaften wie Besonnenheit, Ungeduld und Faulheit nach, indem sie ihre 56 Probanden im Rahmen eines Spiels verschiedene Entscheidungen treffen ließen, die mit Risiko, Aufschub oder Anstrengung verbunden waren. Zum Beispiel konnte es darum gehen, zwischen einem relativ sicheren kleinen Gewinn oder der unsicheren Chance auf einen größeren zu wählen.

Der Einfluss

Zunächst entschieden die Probanden ganz für sich allein. Später gab man ihnen die Möglichkeit, die vermeintlichen Entscheidungen anderer Menschen miteinzubeziehen – in Wirklichkeit waren diese von einem Computeralgorithmus erzeugt worden. Das veränderte das Verhalten der Probanden: Sie passten sich tendenziell an.

Laut den Psychologen verbinden sich hier zwei Effekte: Der "False-consensus bias" lässt uns glauben, dass die Haltung anderer ungefähr der unseren entspricht. Und der "Social influence bias" führt dazu, dass wir – meist ohne uns dessen bewusst zu sein – anderen im Verhalten ähnlicher werden. Dieses ist also stärker im Fluss als gedacht – selbst bei Eigenschaften, die wir für tief verankerte Persönlichkeitszüge halten.

In einer künftigen Studie wollen die Forscher untersuchen, ob dieser Effekt auch bei Menschen zum Tragen kommt, die unter psychischen Erkrankungen wie Autismus oder Schizophrenie leiden. (red, 17. 4. 2017)

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