Sorge um Apple-Großaufträge setzt Dialog Semiconductor zu

11. April 2017, 14:57
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Analysten lösten Kurssturz um ein Drittel aus

Die Sorge um längerfristig schwindende Großaufträge bereitet den Anlegern des deutsch-englischen Chipbauers Dialog Semiconductor Kopfzerbrechen. Die Analysten vom Bankhaus Lampe lösten am Dienstag einen Kurssturz um gut ein Drittel aus, als sie darauf verwiesen, dass Dialog-Großkunde Apple verstärkt eigene Kapazitäten für Stromsteuerungschips für Smartphones aufbaue – die bisher vor allem von Dialog kommen.

Den Analysten zufolge macht Dialog mehr als 70 Prozent seiner Umsätze mit Apple. Sie stuften die Aktien auf "sell" von "hold" zurück. Dialog war zunächst nicht zu einer Stellungnahme bereit.

Apple will selber bauen

Lampe begründete die Zurückstufung damit, dass Apple seit geraumer Zeit vermehrt mehr Entwickler für Smartphone-Chips einstelle und es Anzeichen dafür gebe, dass der Konzern eigene Chip-Zentren in München und Kalifornien aufbaue. Einem Insider zufolge wildert Apple derzeit bei den Dialog-Entwicklern. "Die werben ab wie verrückt", sagte der Kenner zu Reuters.

Offen ist indes, ab wann die Entwicklung Dialog tatsächlich schaden könnte. Die Lampe-Banker beriefen sich auf Branchengerüchte, wonach Apple ab 2019 verstärkt eigene Stromsteuerungschips einsetzen und auf die Dialog-Produkte verzichten könnte. "Wir glauben, Dialog blickt einer sehr unsicheren Zukunft entgegen", erklärte Lampe-Analyst Karsten Iltgen.

Beruhigung

Seine Kollegen von Exane dämpften hingegen die Ängste. Dialog habe die Entwicklungen für 2017 und 2018 für Apple bereits im Sack und verhandle gerade über 2019, beriefen sie sich auf Kontakte mit dem Management des Chipspezialisten. Die Dialog-Spitze habe im Austausch mit Apple keine Veränderungen im Ton oder in der Denkweise ausgemacht. Zudem bräuchten die Amerikaner mehr als 1.000 Ingenieure, um das Power Management für seine Smartphones selbst zu stemmen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass der US-Riese in diesem Umfang einstelle.

Der Markt für Smartphone-Technik, den im geringen Umfang auch die bayerische Infineon bedient, ist durch die Konzentration im Handysegment sehr eng geworden. Viele Zulieferer sind abhängig von den zwei Smartphone-Riesen Apple und Samsung. Zudem ist Apple für sein rigides Lieferanten-Regime gefürchtet. Wer seine Zulieferbeziehung zu den Kaliforniern öffentlich macht, riskiert seine Verträge.

Anfang April hatte der Dialog-Rivale Imagination Technologies seine Anleger mit der Nachricht geschockt, dass Apple auf den Einsatz von Produkten der Firma verzichten wolle. Stattdessen sollten eigene Grafikchips entwickelt werden. Die Imagination-Aktien waren daraufhin um mehr als 70 Prozent eingebrochen. (APA, 11.04.2017)

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