Neuer Test sagt Gefahr für Menschen durch neue Grippeviren voraus

11. April 2017, 11:27
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Deutsche Wissenschafter entwickeln Verfahren, mit dem sich einschätzen lässt, ob tierische Influenzaviren für Menschen ein Risiko darstellen

Freiburg – Nach den Statistiken der Weltgesundheitsorganisation WHO starben am sogenannten Vogelgrippe-Virus H5N1 seit 2003 weltweit rund 450 Menschen. Global gesehen stellt der Erreger demnach keine besonders große Gefahr dar. Anders sieht es dagegen mit dem Influenza-A-Virus H1N1 aus, das bei Vögeln und Schweinen, aber auch anderen Säugetieren vorkommt: Eine Subvariante dieses Virus' breitete sich 1918 als Spanische Grippe weltweit aus und forderte mehrere Dutzend Millionen Tote.

Trotz intensiver Forschungen, war es bisher nur sehr schwer möglich, die Gefahr neu auftauchender Influenza-Viren für den Menschen einigermaßen zuverlässig einzuschätzen. Nun aber ist es Wissenschaftern des Universitätsklinikums Freiburg gelungen, das Risiko des Überspringens von Tiere auf Menschen bei diesen Erregern experimentell zu überprüfen. Dafür statteten sie Labormäuse mit einem Gen für die Influenzavirus-Abwehr des Menschen aus. Der Resistenzfaktor MxA gilt als wesentlicher Bestandteil der genetischen Virusabwehr beim Menschen.

Test verschafft wichtigen Vorsprung

Während normale Mäuse ohne MxA für viele Influenza-A-Virustypen empfindlich sind, waren Mäuse mit dem menschlichen Resistenzgen gegen tierische Influenzaviren hochgradig resistent. Sie waren jedoch für jene Virustypen empfindlich, welche bereits seit längerem in der menschlichen Bevölkerung zirkulieren.

Das neue Tiermodell, das im Fachjournal "The Journal of Experimental Medicine" vorgestellt wurde, kann daher helfen, das Gefahrenpotential neuer Influenzaviren aus der Tierwelt für die menschliche Bevölkerung besser abzuschätzen. "Mit unserem Ansatz können wir bei neu entdeckten Grippeviren schnell und sicher feststellen, ob sie eine Gefahr für den Menschen darstellen", sagt Peter Stäheli, Forschungsgruppenleiter am Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. "Ein entsprechender Test könnte zukünftig die Risikobewertung anhand von bislang üblichen Virus-Genom-Analysen wesentlich ergänzen." Dies würde bei erhöhter Gefahrenlage einen wertvollen Zeitvorsprung für die Schutzmaßnahmen verschaffen. (red, 11.4.2017)

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