Vista: Microsofts meistgehasste Windows-Version ist am Ende

    11. April 2017, 09:39
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    Support läuft endgültig aus – Ab sofort keinerlei Updates mehr, auch nicht für kritische Sicherheitslücken

    Als Microsoft am 31. Jänner 2007 eine neue Windows-Version an den Start brachte, war dies von einer massiven Werbekampagne und großen Versprechungen verbunden. Mit Windows Vista sollte alles besser werden, fast sechs Jahre habe man sich Zeit genommen, um den XP-Nachfolger zu einem echten "Wow"-Erlebnis zu machen, hieß es. Oder wie es Microsoft in seiner Werbung dereinst selbst formulierte: "The Wow starts now".

    Der nicht aufkommende Hype

    All dies hatte nur ein kleines Problem: Weder die IT-Presse noch die Konsumenten wollten auf diesen Hype-Zug aufspringen. Längst war durchgesickert, dass der Grund dafür, dass Vista eine dermaßen lange Entwicklungszeit benötigte, in Wirklichkeit ganz woanders zu suchen war, nämlich bei massiven internen Problemen. Die Windows-Entwicklung war zwischenzeitlich komplett an die Wand gefahren, Microsoft musste den Vista-Prozess praktisch neustarten, was eine Verzögerung nach der anderen zur Folge hatte.

    Probleme über Probleme

    Zudem präsentierte sich Vista den Nutzern schlicht als eine einzige große Baustelle. Fehlende Treiber führten zu Problemen mit der Unterstützung bestehender Hardware, durch die stark angestiegenen Mindestanforderungen blieben aber ohnehin viele ältere Rechner außen vor. 2 GB RAM und 20 GB Festplattenplatz verlangte Vista – und damit exakt die gleichen Eckdaten, die auch heute noch das Minimum für Windows 10 sind. Das mag nach aktuellen Maßstäben nicht sonderlich dramatisch wirken, vor zehn Jahren war dies aber eine durchaus hohe Einstiegshürde. Wer es trotzdem schaffte, Vista auf seinen Rechner zu bringen, sah sich dann mit einer Vielzahl von Bugs konfrontiert, Microsofts Bestreben die neue Version endlich auf den Markt zu bringen, zeigte schnell ihre Kehrseite.

    Fortschritte

    Unter all der Kritik wird gerne übersehen, dass Vista durchaus auch wichtige Schritte in Richtung moderner Windows-Versionen vorgenommen hat. Erstmals gab es hier die User Account Control, die es den Nutzern ermöglicht, ihren Account ohne Administratorrechte zu betreiben und doch Zugriff auch wichtige Funktionen zu behalten. Auch Microsofts eigene Antivirenlösung, der Windows Defender, gab hier sein Debüt – ebenso wie die Festplattenverschlüsselung Bitlocker. Und nicht zuletzt war Vista die erste Version, die für 64-Bit-Systeme entwickelt wurde. Da darf schon fast vergessen werden, dass Vista auch von vielen Irrwegen begleitet war, von den transparenten Fensterrahmen im Aero-design bis zum Sidebar sollte vieles in den folgenden Jahren wieder eingestampft werden.

    Realitätsverweigerung

    Microsoft ließ sich von all der Kritik aber ohnehin nicht beirren, und behaupte einfach konsequent weiter, welch großer Erfolg Vista sei. Mit unabhängigen Zahlen ließen sich diese großspurigen Behauptungen jedoch nie belegen. Erst der zwei Jahr später kommende Nachfolger, Windows 7, versöhnte die breite Masse der User mit den neuen Konzepten.

    Wie dem auch sei: Nun folgt das endgültige Aus für Vista. Mit dem 11. April 2017 hat Microsoft jeglichen Support für die zehn Jahre alte Betriebssystemversion eingestellt. Damit werden fortan selbst kritische Sicherheitslücken nicht mehr bereinigt. Wie schon zuvor bei XP sei nun auch den verbliebenen Vista- Usern alleine schon aus Sicherheitsgründen dringend angeraten, auf eine neuere Windows-Version oder ein anderes Betriebssystem zu wechseln.

    Einmal durchzählen

    Allzu viele User sollten von dem Support-Ende aber ohnehin nicht betroffen sein: Laut den aktuellen Zahlen von Net Applications nutzen nur mehr 0,72 Prozent aller Internet-User Windows Vista. Da ist der Vorgänger XP mit 7,44 Prozent noch wesentlich beliebter. (apo, 11.4.2017)

    • Der damalige Microsoft CEO bei der Präsentation von Windows Vista.
      foto: mark lennihan / ap

      Der damalige Microsoft CEO bei der Präsentation von Windows Vista.

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