Jeder zweite Manager hält Bilanzbetrug für gang und gäbe

11. April 2017, 09:09
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Österreich noch immer mit zweifelhafter Spitzenposition

Wien – Wenn es für die Konkurrenz viel besser läuft als im eigenen Unternehmen, ist bei vielen in Österreich einmal Misstrauen angesagt. Wie tief das sitzt, zeigen Umfragedaten von EY (Ernst & Young): Jeder zweite heimische Manager glaubt demnach, dass es hierzulande gang und gäbe ist, Bilanzen zu schönen, also Ergebnisse zu frisieren.

Zwar waren es vor zwei Jahren noch 68 Prozent, die hierzulande geschönte Finanzzahlen für verbreitet hielten. Trotz des Rückgangs auf jetzt 49 Prozent belegt Österreich laut EY immer noch eine unrühmliche Spitzenposition, wenn man mit anderen europäischen Umfragewerten abgleicht.

Für den "EY Fraud Survey" wurden 4.100 Entscheidungsträger aus Unternehmen in 41 Ländern befragt. Aus Österreich wurden 100 Manager befragt.

Spitzenplatz für Türkei

Nur Unternehmen aus der Türkei (71 Prozent), Kroatien (66 Prozent) und Slowenien (63 Prozent) wurde von dortigen Managern noch stärkere Manipulationslust zugeschrieben. Gleich kritisch wie für Österreich fielen die Umfragezahlen für Russland und Ungarn (49 Prozent) aus. Außerhalb Europas lagen die Verhältnisse in Ägypten oder Südafrika (jeweils 48 Prozent) ähnlich.

Die ehrlichsten Bilanzen in Europa werden in der Managerbefragung in Norwegen (nur 8 Prozent halten dort Bilanztrickserei für verbreitet) und Schweden (11 Prozent) geortet.

Für EY sind die auffälligen österreichischen Umfragewerte überraschend. "Wir können aus unserer Erfahrung als Wirtschaftsprüfer klar sagen, dass dieses Vorurteil nicht der Realität entspricht", schrieb Andreas Frohner, Partner und Leiter der zuständigen Abteilung bei EY Österreich. Die Studie besage nämlich nicht, dass Österreichs Firmen übermäßig häufig ihre Zahlen besser darstellten als sie sind. Im wesentlichen spiegle sich nach der angespannten wirtschaftlichen Lage der letzten Jahre die Meinung wider, dass es wohl nicht mit rechten Dingen zugehen könne, es dem Mitbewerber gar nicht so gut gehen könne wie der es darstellte.

Verbesserung bei Korruption

Im Ländervergleich indes viel sichtbarer verbessert hat sich Österreich bei der wahrgenommenen Korruption (Bestechung etc). Knapp jeder dritte heimische Manager (32 Prozent und damit im Europa-Schnitt) hält Korruption hierzulande noch für weit verbreitet. In den Jahren 2015 beziehungsweise 2013 waren es noch 42 beziehungsweise 46 Prozent. Im Durchschnitt aller befragten Länder in Europa, Afrika, Nahost und Indien gingen 51 Prozent der Manager davon aus, dass in ihrem Land Korruption weit verbreitet ist.

Auf unrühmliche Spitzenwerte kamen laut EY die Ukraine (88 Prozent), Griechenland und die Slowakei (jeweils 81 Prozent). Am besten schnitten in Europa wieder die Skandinavier ab und auch die Schweizer. In Dänemark halten nur 6 Prozent der Manager unlautere Geschäftspraktiken für verbreitet.

In Österreich wurde, so die Studie, jeder dritte Manager schon mit "unethischem" Verhalten im eigenen Unternehmen konfrontiert. Am anderen Ende der Skala liegt die Türkei, wo der EY-Umfrage zufolge in drei von vier türkischen Unternehmen derartige Vorkommnisse beobachtet würden. In Indien sind es sogar 79 Prozent.

Dem EY-Bericht nach wären Österreichs Manager seltener bereit als ihre Kollegen in vielen anderen Ländern, für die Karriere selber zu unlauteren Mitteln zu greifen. 80 Prozent gaben an, in keinem Fall zu "unethischem" Verhalten bereit zu sein, jeder Fünfte hat damit demnach weniger Skrupel. Jeder Zehnte etwa hält zum Beispiel das Zurückdatieren eines Vertrags für gerechtfertigt.

Eher ein Tabu, so resümiert EY nach der Umfrage, sei jedoch die bewusste Manipulation des Finanzergebnisses: Nur jeder 14. Manager halte dies hierzulande für gerechtfertigt. (APA, 11.4.2017)

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    grafik: apa
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