Studie: Ehrlichkeit lässt sich durch Hirnstimulation beeinflussen

11. April 2017, 09:00
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Forscher zeigten, welche Hirnstrukturen am Abwägen zwischen Ehrlichkeit und Eigennützigkeit beteiligt sind – und wie sie manipuliert werden können

Zürich – Wissenschafter der Universität Zürich haben gemeinsam mit Kollegen aus Boston und Chicago nachgewiesen, wo im Gehirn das Abwägen zwischen ehrlichem und eigennützigem Verhalten stattfinde. Laut der im Fachblatt "PNAS" veröffentlichten Studie ist es möglich, ehrliches Verhalten durch gezielte Hirnstimulation zu verstärken.

Im Experiment nahmen die 145 Probanden an einem Würfelspiel teil, bei dem sie ihren Gewinn durch falsche Angabe der Augenzahl steigern konnten. Tatsächlich sagte ein Teil der Teilnehmer häufig die Unwahrheit, viele blieben aber auch ehrlich. Acht Prozent logen jedoch ständig, um ihren Gewinn zu steigern, so Erstautor Michel Marechal. "Die meisten Menschen wägen Motive des Eigeninteresses gegenüber der Ehrlichkeit von Fall zu Fall ab. Sie schummeln ab und an, aber nicht bei jeder Gelegenheit."

Kein Effekt bei Dauerlügnern

Um nachzuweisen, welche Hirnstrukturen am Abwägen beteiligt sind, stimulierten die Forscher den sogenannten rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex. Dazu benutzten sie transkranielle Gleichstromstimulation, eine nicht-invasive Methode, die Hirnzellen empfindlicher und dadurch aktiver macht.

Wenn die Forscher diese Hirnregion der Probanden stimulierten, logen diese weniger. Allerdings blieb die Stimulation bei den notorischen Lügnern ohne Effekt. "Die Stimulation verstärkte ehrliches Verhalten vorwiegend bei Personen, für die Lügen einen moralischen Konflikt darstellte", sagte Christian Ruff, der die Studie leitete. "Sie beeinflusste aber nicht diejenigen, die einzig an der Maximierung ihres Vorteils interessiert waren."

Die Hirnstimulation funktionierte nur beim Abwägen zwischen eigennützigen und moralischen Motiven, nicht aber bei Entscheidungen ohne moralische Aspekte. Ebenso zeigte sich kein Effekt, wenn es um einen Konflikt zwischen zwei moralischen Motiven ging, zum Beispiel zwischen Ehrlichkeit und der Möglichkeit, einer anderen Person zu helfen.

Neue Fragen

Das Resultat sei ein wichtiger Schritt, um die Prozesse hinter ehrlichem Verhalten zu ergründen, so die Wissenschafter. Die Studie werfe zudem die Frage auf, inwiefern Ehrlichkeit auf biologischer Veranlagung beruhe. "Diese Hirnprozesse könnten grundlegend sein für individuelle Unterschiede in der Ehrlichkeit – auch in Bezug auf pathologische Ausprägungen", sagte Ruff.

Und das könnte wiederum weitreichende Implikationen haben, so Marechal: "Sollte Unehrlichkeit tatsächlich auf biologische Voraussetzungen zurückzuführen sein, stellt unsere Studie infrage, in welchem Ausmaß Menschen für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen werden können." (APA, 11.4.2017)

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