Jack Wolfskin soll bald Hedgefonds gehören

10. April 2017, 17:05
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Blackstone dürfte deutsches Unternehmen an die Gläubiger verlieren

London/Idstein – Der Funktionsbekleidung-Hersteller Jack Wolfskin fällt Insidern zufolge aller Voraussicht nach an eine Gruppe von bis zu 30 Hedgefonds. Der US-Finanzinvestor Blackstone, der vor fünf Jahren 700 Mio. Euro für das Unternehmen aus dem hessischen Idstein gezahlt hatte, werde Jack Wolfskin an die Gläubiger verlieren, sagten mehrere mit den Verhandlungen vertraute Personen zu Reuters.

Die ursprünglichen Gläubigerbanken des Outdoor-Ausrüsters hatten ihre Kredite im Volumen von mehr als 300 Mio. Euro an Hedgefonds unter Führung von HIG Capital, Sankaty (Bain Capital) und CQS verkauft. Sie geben Jack Wolfskin nun beträchtliches frisches Kapital und wandeln die Schulden zum Teil in Eigenkapital, wie die Insider bestätigten.

350 Millionen Euro Schulden

"Blackstone wird dem nicht im Weg stehen", sagte ein Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Den Vorschlag des US-Finanzinvestors, selbst frisches Kapital nachzuschießen und im Gegenzug die Mehrheit an Jack Wolfskin zu behalten, war bei den Hedgefonds durchgefallen. Die Schuldenlast des Unternehmens dürfte sich mit der Transaktion von bisher rund 350 Mio. Euro in etwa halbieren. Bis der Deal unter Dach und Fach sei, werde es noch einige Wochen dauern. Oft sperren sich einzelne Gläubiger bis zur letzten Minute, um mehr Geld für sich herauszuschlagen.

Firmenchefin Melody Harris-Jensbach hatte die Mitarbeiter nach einem Bericht des "Spiegel" bereits Ende März auf einen bevorstehenden Eigentümerwechsel vorbereitet. Ein Sprecher von Jack Wolfskin sagte am Montag: "Die Gespräche mit den Gläubigern verlaufen positiv. Wir gehen davon aus, dass eine langfristige Lösung eine starke Plattform für die weitere Entwicklung bieten wird."

Verspekuliert

Blackstone hatte sich mit Jack Wolfskin verspekuliert. Die geplante Expansion ins Ausland – vor allem nach China – war schwieriger und zäher als erwartet. Der US-Finanzinvestor muss mit dem Verlust der Beteiligung nach Reuters-Berechnungen rund 300 Mio. Euro abschreiben. Er hatte vor eineinhalb Jahren auf Druck der Banken noch 75 Mio. Euro frisches Kapital nachgeschossen.

Trübe Aussichten für das Jahr 2017 hatten den Gläubigern die Möglichkeit gegeben, die Reißleine zu ziehen. Mit einem Rückgang des operativen Gewinns (EBITDA) auf 30 bis 35 (2016: mehr als 50) Mio. Euro drohte Jack Wolfskin die Kreditauflagen zu verletzen, so dass über die Verbindlichkeiten neu verhandelt werden musste.

Dabei geht es mit dem operativen Geschäft endlich aufwärts, der Umsatz stieg im vergangenen Jahr auf 351 (2015: 315) Mio. Euro. "Mit der aktuellen Entwicklung sind wir sehr zufrieden", sagte der Sprecher. Die neue Kollektion sei auf der Sportartikelmesse ISPO zu Jahresbeginn gut angekommen. (APA/Reuters, 10.4.2017)

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